DIY: Johanniskraut-Rotöl selber machen

Naturapotheke für Selber-Macher: Rotöl aus Johanniskraut herstellen

Dass Rotöl gegen kleinere Blessuren hilft, gehört zu Omas Wissensschatz und dort zur Rubik Naturheilmittel genauso, wie der Spitzwegerichsirup bei starkem Husten. Rotöl wird aus den Blüten des Johanniskrauts gewonnen. Eine äußerliche Anwendung der Tinktur bewirkt, dass kleine Wunden oder durch Sonnenbrand leicht gerötete Haut schneller abheilen. Die Volksheilkunde setzt auf das Johanniskraut-Rotöl auch bei Hexenschuss, Rheuma oder Muskelkater. Jedoch sollte man im Umgang mit Rotöl nicht leichtfertig sein: Wissenschaftliche Studien konnten belegen, dass länger andauernde Anwendungen von Johanniskraut dazu führen, dass die Haut lichtempfindlicher ist. Werden Hautstellen mit Rotöl über eine längere Zeit behandelt, so muss in diesem Fall auf einen ausreichenden Lichtschutz geachtet werden, um spätere Hautschäden zu vermeiden.

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Johanniskraut (Hypericum perforatum) wird im Volksmund auch Tüpfel-Johanniskraut, Tüpfel-Hartheu oder Echtes Johanniskraut genannt. Es wächst an trockenen Wald-, Wiesen- und Feldrändern. Man kann es allerdings auch im eigenen Garten als Heilpflanze kultivieren. Aus den Johanniskraut-Blüten lässt sich per Auszug das Rotöl gewinnen. Es hilft beim Heilen kleinerer Wunden oder Hautrötungen bei leichtem Sonnenbrand.

 

Rotöl im DIY-Check: schnell & einfach gemacht

Das Johanniskraut trägt den lateinischen Namen Hypericum perforatum. Es gilt als uraltes Heilmittel und wurde bereits in der Antike genutzt. In der modernen Medizin kommt Johanniskraut als pflanzliches Arzneimittel unter anderem in der Therapie von nervöser Unruhe sowie bei der Behandlung von leichten bis mittelstarken depressiven Verstimmungen zum Einsatz.

 

 

Es wächst meist am Wegesrand. Die kleinen Sträucher blühen von Juni bis August in einem leuchtenden Gelb. Dann sind die Blütenstände an Wiesenrändern und Feldrändern nicht zu übersehen. Das Johanniskraut mag trockene und magere Standorte. In feuchten Wiesen ist es daher kaum zu finden.

Wer Johanniskraut pflücken möchte, sollte sein Glück daher eher an Waldrändern versuchen. Bereits aus großer Entfernung lassen sich die Blüten des Johanniskrauts leicht erkennen. Sie leuchten in gelb mit der Sonne um die Wette. Die Blüten bestehen aus fünf Kronblättern, die am Ende gesägt sind. Die feinen Staubblätter bilden dabei einen Strahlenkranz. Am Ende der Staubblätter befinden sich kleine Verdickungen. Der Volksmund hat für sie einen ganz besonderen Namen: „Tüpfel“. Beim Echten Johanniskraut haben die Tüpfel für den Beinamen „Tüpfel-Johanniskraut“ gesorgt.

 

Johanniskraut zwischen Johanni und Mariä-Himmelfahrt pflücken

Werden die Blüten zwischen den Fingern zerrieben, so wird der Stoff Hypericin freigesetzt. Er ist blutrot. Schon kleinste Mengen verfärben die Finger. Genau auf diesen Wirkstoff zielt das Rotöl ab. Bei der Herstellung muss das Hypericin extrahiert werden.

Wer Johanniskraut-Rotöl selber machen möchte, sollte am besten zwischen dem Johannistag (Johanni ist der 23. Juni) und Mariä-Himmelfahrt (dem 15. August) bei einem Spaziergang nach dem Mittagessen einen Johanniskraut-Strauß pflücken. Die Wärme der Mittagssonne sorgt in den Blüten für eine hohe Konzentration von Ölen und Wirkstoffen – darunter auch das begehrte Hypericin. Das Johanniskraut sollte nicht an viel befahrenen Straßen oder in der Nähe großer Fabriken gepflückt werden, um die Schadstoffbelastung so gering wie möglich zu halten. Zuhause angekommen, müssen Sie das Bündel gründlich auslesen, denn für das Ansetzen des Johanniskraut-Rotöls eignen sich nur vollaufgeblühte Blüten. Knospen und verwelkte Blüten gehören aussortiert. Im Johanniskraut-Strauß werden sich auch kleine Untermieter wie Spinnen und Rapskäfer verstecken. Bitte entlassen Sie diese wieder in die freie Natur.

 

Der Name Rotöl in der Volksheilkunde basiert auf dem Wirkstoff Hypericin

Setzen Sie das Johanniskraut-Rotöl am besten in einem breiten Marmeladenglas mit Schraubverschluss an. Sie benötigen so viele lose Blüten, wie in das Glas passen, wenn Sie die gelben Blüten locker einschichten. Im nächsten Schritt müssen die Johanniskraut-Blüten im Glas angequetscht werden, um die Zellstrukturen aufzubrechen. So kann der Wirkstoff Hypericin leichter aus der Pflanze austreten und dafür sorgen, dass durch den Auszug das Öl zum Rotöl wird.

Sie können die Blüten einerseits im Mörser stampfen. Ist Ihnen dieser Aufwand zu groß, können Sie  auch ganz einfach die Blüten mit einem Löffel gegen die Wand des Marmeladenglases drücken. Um eine bessere Haltbarkeit des Rotöls zu gewährleisten, empfehlen alte Handbücher, die Blüten etwas anwelken zu verlassen. Sie verlieren somit Wasser und der Wassergehalt im Johanniskraut-Rotöl sinkt.

 

Olivenöl oder Sonnenblumenöl eignet sich zum Ansetzen des Johanniskraut-Rotöls

Als vorerst letzter Arbeitsschritt wird am frühen Abend, also nach drei bis vier Stunden, ein hochwertiges Öl über die Johanniskraut-Blüten im Marmeladenglas gegossen. Alle Blüten sollten vollständig bedeckt sein. Als Öl zum Angießen eignet sich ein natives Olivenöl aber genauso gut auch ein Sonnenblumenöl aus biologischer Herstellung. Gegenüber dem Olivenöl bringt das Sonnenblumenöl einen Vorteil mit: Es ist relativ geruchlos und geschmacksneutral.

Stellen Sie den Rotöl-Ansatz nun für rund eine Woche offen auf die Fensterbank. Das sonnige Plätzchen ist wichtig, denn die Wärme sorgt dafür, dass Gärprozesse in Gang kommen. Durch den nicht geschlossenen Deckel entweichen die gebildeten Gase. Im Anschluss wird das Marmeladenglas fest verschlossen. Es sollte nun für circa acht Wochen am Fenster stehen blieben. In dieser Zeit ist es wichtig, dass Johanniskraut-Rotöl öfters kräftig durchzuschütteln. Nur so kann sich der Wirkstoff Hypericin auch gleichmäßig verteilen. Im Laufe der Zeit wird sich die Farbe des Ansatzes verändern. Aus dem gelb- bis grünlich schimmernden Öl wird tatsächlich ein rotes Öl. Sie können so genau beobachten, wie sich das Hypericin aus den Bestandteilen der Pflanzen löst.

 

Selbstgemachtes Johanniskraut-Rotöl ist dunkel aufzubewahren und muss innerhalb weniger Monate verbraucht werden

Der letzte Schritt beim Rotöl-Selbermachen ist denkbar einfach. Nach ungefähr acht Wochen wird der Rotöl-Ansatz von der Fensterbank genommen, durch ein Sieb gegossen und das Öl aufgefangen. Dafür eignet sich ein feines Kaffeesieb oder Teesieb bestens. Die Reste der Johanniskrautblüten werden im Hausmüll entsorgt, denn sie sind nun ausgelaugt, d. h. sie enthalten kaum noch den Wirkstoff Hypericin. Das fertige Johanniskraut-Rotöl muss nun in eine dunkle Flasche abgefüllt und lichtgeschützt aufbewahrt werden. Bitte notieren Sie auf einem Schild auf der Flasche das Herstellungsjahr. Kühl und dunkel gelagert, ist das Rotöl bis zu 12 Monate haltbar und damit verwendbar.

Im Moment blüht das Johanniskraut noch an einigen Stellen. Wenn Sie auf Ihren Spaziergängen nur noch verwelkte Blüten finden, dann merken Sie sich einfach den Standort des Johanniskrauts. Auch im Herbst ist das Heilkraut leicht an seinen markanten Fruchtständen zu erkennen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird die Heikpflanze im nächsten Jahr just an den gleichen Stellen wieder blühen. Dann können Sie nächstes Jahr im Juni zur Tat schreiten und Johanniskraut-Rotöl schnell und einfach selber machen.

 

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