Die Unterhosenfrage: Träger von Boxershorts sind fruchtbarer

Bessere Spermienqualität & damit Fruchtbarkeit bei Kinderwunsch

Welcher Unterhosen-Typ sind Sie? Weite Boxershorts oder enganliegender Slip? Das sind die großen Fragen, mit denen sich das starke Geschlecht bei der Unterwäsche herumschlagen muss. Bei Männern mit Kinderwunsch plädieren Wissenschaftler nun ausdrücklich für den Griff zu den Boxershorts. Diese sind vielleicht nicht ganz so sexy, sorgen aber für eine deutlich bessere Qualität der Spermien.

© flamingoboxers / pixabay.com

Eng anliegende Unterhosen mögen zwar mehr Sex-Appeal haben, aber darauf kommt es am Ende nicht an. Besteht ein Kinderwunsch in der Partnerschaft, sollten die Herren der Schöpfung lieber zur luftigeren Unterhose greifen und Boxershorts wählen. Die lassen die Luft um die Hoden besser zirkulieren und sorgen so für die optimale Kühlung während der Spermienproduktion. Die Folge: Boxershortsträger haben mehr und beweglichere Spermien als Slipträger.

 

Eine im Fachzeitschrift „Human Reproduction“ veröffentlichte Studie der Harvard T.H. Chan School of Public Health (Boston/USA) kommt genau zu dem Schluss, dass Boxershorts tragende Männer zum einen mehr und zum anderen auch beweglichere Spermien haben als Männer, die eng sitzende Unterhosen bevorzugen. Und genau auf diese beiden Eigenschaften kommt es bei der Fortpflanzung am Ende an.

 

Enge Unterhosen haben nachweisbare Auswirkungen auf den männlichen Organismus

Eng sitzende Unterhosen führen in der Blutbahn zu einer vermehrten Konzentration des Hormons FSH (Follikelstimulierendes Hormon). Dieses regt die Spermienproduktion an. Die Wissenschaftler vermuten, dass der Körper damit auf die durch die enge Unterwäsche verursachte geringere Spermienproduktion reagiert.

Für ihre Studie untersuchten die Bostoner Forscher über 650 Männer, die eine Kinderwunsch-Klinik aufsuchten, weil sich der erhoffte Nachwuchs nicht einstellen wollte. Die Spermienkonzentration dieser Männer lag jedoch im Normalbereich. Um den Ursachen der scheinbaren Fruchtbarkeitsprobleme auf den Grund zu gehen, befragten die Mediziner die Probanden. Dabei wurde auch erfasst, welch Art der Unterhose sie im Normalfall bevorzugten – Boxershorts oder Slip? Im Anschluss wurden typische Werte für die Fruchtbarkeit erfasst.

Dabei war rund die Hälfte der untersuchten Männer überzeugte Boxershortsträger. Im Vergleich zu den Slipträgern hatten sie:

  • Mehr Spermien (ein Plus von 17 %)
  • Mehr bewegliche Spermien (ein Plus von 33 Prozent)
  • Eine höhere Spermienkonzentration (ein Plus von 25 Prozent)
  • Sowie geringere Werte von FSH

Mehr und beweglichere Spermien bedeuten im Wettrennen um die Befruchtung der Eizelle einfach bessere Chancen auf einen Champion, der seinen Weg durch die Vagina, die Gebärmutter und den Eileiter findet und letztlich mit der Eizelle verschmilzt.

 

Vieles spricht für die Boxershorts bei Kinderwunsch

Die Studie belegt jedoch nicht direkt, dass enge Unterhosen den männlichen Samenzellen schaden. Jedoch lieferten bereits frühere Untersuchungen ähnliche Ergebnisse. Eine der bekanntesten Studien in diesem Forschungsfeld ließ zwei Männer im besten Alter (mit Anfang dreißig) jeweils drei Monate lang verschiedene Unterwäsche im Wechsel tragen: einmal weite Boxershorts und einmal enge Slips. Die Beobachtungen zeigten, dass sowohl die Zahl der Spermien als auch die Beweglichkeit der Spermien abnahm, wenn die Probanden engen Unterhosen trugen.

Reproduktionsmediziner erklären das Phänomen wie folgt: Die männlichen Hoden sind äußerst empfindlich. Trotzdem hat sich Mutter Natur im Laufe der Evolution dazu entschlossen, die Testikel im Hodensack frei im Schritt baumeln zu lassen. Nur so finden Spermien optimale Bedingungen vor. Sie benötigen nämlich „kühle Temperaturen“ – genauer rund zwei bis drei Grad unterhalb der Körpertemperatur. Das Hodengewebe verfügt deshalb über ein ausgeklügeltes Geflecht an Venen, dass die Luftzirkulation um die Hoden optimal nutzt. Das Kühlsystem ist als sehr fein und clever austariert.

 

 

Empfindliches Kühlsystem der Hoden darf nicht durcheinander gebracht werden

Wird das Kühlsystem gestört – zum Beispiel durch Fieber oder ähnlich wirkende, enganliegende Unterhosen – leidet die Spermienqualität. Bereits das längere Sitzen in einem Sessel oder auf einem Fahrradsattel kann die Hodentemperatur in die Höhe treiben. Besteht ein Kinderwunsch so sollten Männer während des langen Büroarbeitstages bewusste „Babypausen“ einlegen, d. h. sie sollten aufstehen und sich bewegen – beispielsweise über den Gang gehen um sich ein Getränk zu holen. Damit wird das körpereigene Kühlsystem für die Hoden wieder richtig belüftet. Um das noch stärker zu unterstützen, sollten diese Männer außerdem lieber auf Boxershorts setzen.

Wie die veröffentlichte Untersuchung zeigt, lässt sich die Fruchtbarkeit mit der richtigen Wahl der Unterwäsche positiv beeinflussen. Mindestens genauso wichtig ist jedoch auch ein gesunder Lebensstil. So schaden Übergewicht, Zigaretten und schlechte Ernährung nachweislich der Spermienqualität. Diese Faktoren wurden bei den Daten für die jetzige Veröffentlichung herausgerechnet – übrigens genauso wie das Alter der Männer oder die Präferenz von heißen Bädern.

 

Reproduktionsmediziner sind Boxershorts-Fans

Dank der Studie konnte nun ein weiteres Puzzlestück in das Gesamtbild „Fruchtbarkeit & Spermienqualität“ eingefügt werden. Das ermöglicht Reproduktionsmedizinern noch bessere Empfehlungen auszusprechen, wenn es mit dem Kinderwunsch nicht gleich klappen sollte. Von den Tipps ist dann in Zukunft nicht nur der Kühlschrank betroffen, sondern auch der Kleiderschrank: Werfen Sie die engen Slips weg und kaufen Sie sich Boxershorts! Ist übrigens auch bequemer – ganz besonders an heißen Tagen.

 

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