Der kindgerechte Garten

Wild, chaotisch & Abenteuer pur

Für viele Familien, insbesondere Eltern mit Kindern, ist ein eigener Garten ein Traum. Für die Kinder bedeutet ein Garten ein Stück Natur zum Ausprobieren, Entdecken und Lernen. Und frisches Obst und Gemüse ernten kann man schließlich auch noch. Bei den Eltern zählt als Argument, dass die Kinder einfach draußen spielen können und dabei eine permanente Beobachtung nicht nötig ist, weil der Tobe- und Kreativraum relativ frei von Gefahrenquellen ist. So sehr sich Eltern und Kinder einig sind, dass ein eigener Garten etwas Tolles ist, so sehr gehen die Ansichten in puncto Gartengestaltung auseinander.

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Ein Familiengarten bietet Kindern nicht nur einen Raum fürs Toben und Spielen. Sie können hier gleichzeitig viel entdecken und lernen. Wie ein kindgerechter Garten, der alle Aspekte ermöglicht, aussehen könnte, erfahren Sie hier.

 

Während Erwachsene eher den aufgeräumten Garten mit Rasenfläche und Blumenbeeten bevorzugen, kann es Kindern gar nicht wild genug sein, denn wilde Gärten versprechen viele Verstecke, spannende Entdeckungen und große Abenteuer. Gartengestalter plädieren beim Anlegen eines kindgerechten Familiengartens für die Aufteilung in vier verschiedene Gartenbereiche.

 

Bereich 1 im kindgerechten Garten: Der Spielgarten

Beim Spielgarten sollten die Bedürfnisse der Kinder im Vordergrund stehen. Hier braucht es sowohl einen Toberaum, als auch Verstecke und Nischen. Letztere lassen sich mit Sträuchern und Bäumen umsetzen. Dabei sollten im kindgerechten Garten schnell wachsende Gehölzer wie Weide oder Hainbuche gepflanzt werden. Den Toberaum fürs Fußballspielen oder für Wasserschlachten bietet eine Rasenfläche. Sähen Sie am besten eine Spielrasen-Mischung. Spielrasen ist darauf ausgelegt, dass Kinder sicher auf ihm laufen können. Außerdem zeichnet ihn seine Robustheit dank Weidelgras, Rotschwingel und Wiesenrispe aus. Damit steht großen Fußballturnieren und ausgiebigen Fangspielen nichts mehr im Weg.

 

Bereich 2 im kindgerechten Garten: Der Abenteuergarten

Im Abenteuergarten steht das Entdecken, Ausprobieren und Lernen im Vordergrund. Hier sollte es mit einem Haus oder einem Weideniglu jedoch auch Rückzugsräume zum Träumen geben. Eine Sandgrube zum Buddeln und Bauen ist für die „Kleingärtner“ ebenfalls viel spannender als ein kleiner Sandkasten. Eine Sandgrube fördert das freie Spiel, denn hier dürfen auch Holz, Steine oder Wasser gerne zum Einsatz kommen.

Bei einem kindgerechten Garten müssen Eltern beim Einbinden des Elements Wasser jedoch daran denken, dass ein Teich, Bachlauf oder Brunnen immer Sicherheitsrisiken bergen. Für einen von Kindern mitgenutzten Garten ist daher ein Quellstein die bessere Alternative. Dieses Wasserspiel regt ebenso zum Spielen und Beobachten an, ist aber völlig gefahrlos.

Der Abenteuergarten ist ungezähmt. Er ist wild und vielfältig – ganz so wie die „freie Natur“. So nisten Wildbienen beispielsweise in Sandflächen oder im Totholz. Regenwürmer und Asseln verstecken sich gerne unter Steinen. Eidechsen und Käfer lieben dagegen Trockenmauern; Igel dagegen einen großen Laubhaufen. Insekten lassen sich auf einer hochgewachsenen, bunten Wildblumenwiese am besten beobachten. Sollen Vögel angelockt werden, können Vogelnistkästen gemeinsam gebaut, dekoriert und aufgehängt werden. Auch das Einrichten von Futterstellen (z. B. durch ein Vogelhaus oder ein Futtersilo) hilft, die gefiederten Freunde im Garten anzusiedeln, um auf „Beobachtungspirsch“ gehen zu können.

 

Bereich 3 im kindgerechten Garten: Der Naschgarten

Der Naschgarten ist klassischerweise ein Teil des Nutzgartens mit Gemüsebeeten und Obstbäumen. Auch eine Beerenhecke ist eine Alternative. Im Naschgarten sollten die Kinder ihr eigenes Beet – nämlich das Kinderbeet – bekommen. Für dieses Beet sind sie ganz allein verantwortlich und lernen dabei, was eine Pflanze braucht, um gut zu wachsen und zu reifen. Damit der Gärtnererfolg nicht gefährdet und den Kindern der Einstieg ins Gärtnerleben nicht verleidet wird, sollten Eltern nur robuste Sorten fürs Kinderbeet auswählen.

Erdbeeren und Himbeeren werden von den kleinen Gourmets immer gerne genascht. Sie schmecken ganz frisch eh am allerbesten. Als weiteres Naschobst haben sich Brombeeren und Johannisbeeren bewährt. Beim Gemüse sorgen Buschtomaten, Kletterbohnen und Kartoffeln für eine reiche Ernte. Die Ernte eines großen Kürbisses macht die Nachwuchsgärtner jedenfalls „stolz wie Oskar“. Auch Kohlrabi, Karotten und Radieschen gehören ins Kinderbeet. Nicht fehlen darf im Naschgarten ein Kräuterbeet. Dies kann im kindgerechten Garten auch gerne ein Hochbeet oder eine Kräuterschnecke sein. Rucola, Schnittlauch, Petersilie, Basilikum, Rosmarin und Thymian sorgen in der Küche für tolle Aromen und ergänzen den Speiseplan auf gesunde Art und Weise.

 

Bereich 4 im kindgerechten Garten: Der Duftgarten

Ein Garten ohne Blumen ist möglich, aber eigentlich vollkommen sinnlos. Auf Zierpflanzen sollte daher auch im kindgerechten Garten nicht verzichtet werden. Die Königin des Gartens, die Rose, ist für ganz kleine Kinder aufgrund der Stacheln weniger gut geeignet. Rosen dürfen daher nicht unmittelbar an den Spiel- und Abenteuerbereich angrenzend gepflanzt werden. Doch Duftpelargonien und Schokoladenblumen duften fast ebenso verführerisch wie die Rose. An diesen Blumen kann bedenkenlos gerochen und geschnuppert werden. Auch Tagetes, Stiefmütterchen, Kornblumen, Taglilien und Kapuzinerkresse sind für den Familiengarten bestens geeignet, denn die Kinder können mit den Blüten nicht nur spielen. Sie können sie sogar essen.

Lavendel und Sonnenblumen sind wahre Insektenmagneten. Sie ziehen Bienen, Hummeln und Schmetterlinge geradezu magisch an. Duftwicken, Phlox und Goldlack sorgen im Duftgarten für reichlich Abwechslung.

Auch wenn der Eisenhut, das Maiglöckchen, der Fingerhut oder die Herbstzeitlose bezaubernd aussehen, in einem kindgerechten Garten haben diese Pflanzen nichts verloren, denn sie sind allesamt sehr giftig und stellen damit eine Gefahr für die Kinder dar.

 

Mit recht wenig Aufwand lässt sich ein kindgerechter Garten realisieren. Und durch seine Wildheit und Robustheit kommt er auch den Eltern zu gute, denn er braucht weniger Pflege und Aufmerksamkeit als ein normaler Garten, sodass mehr gemeinsame Zeit mit den Kindern zur Verfügung steht.