Darmbakterien: Asthma-Schutz für Babys

FLVR-Bakterien möglicherweise Sparring-Partner fürs Immunsystem

Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass vier Arten von Bakterien Kinder vor Asthma schützen. Diese Bakterien besiedeln innerhalb der ersten drei Lebensmonate den menschlichen Darm. Klappt die Kolonisierung in diesem Zeitraum nicht, steigt im späteren Leben das Risiko für Asthma.

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Manche Bakterien können ernstzunehmende Krankheiten auslösen. Doch auf die Mitarbeit von Bakterien ist der Mensch angewiesen. Manche Bakterien sind also sehr nützlich. So hilft eine gesunde Darmflora bei der Verdauung der Nahrung, indem die kleinen Helfer wichtige Nährstoffe aufspalten. Welche Rolle das Mikrobiom für unsere Gesundheit spielt, wird derzeit noch erforscht. So scheinen die Darmbakterien Faecalibacterium, Lachnospira, Veillonella und Rothia (FLVR-Bakterien) in den ersten drei Lebensmonaten für das Training des Immunsystems eine wichtige Rolle zu spielen. Möglicherweise bieten so einen Schutz davor, im späteren Leben an Asthma zu erkranken. Bei Babys, denen die Bakterien in diesem entscheidenden Zeitraum fehlen, steigt das Asthma-Risiko.

 

Faecalibacterium, Lachnospira, Veillonella und Rothia – Bakterien übernehmen wichtige Rolle

Für ihre Studie werteten Wissenschaftler an der University of British Columbia (Kanada) von über 300 Kindern Stuhlproben aus. Im Fokus des Interesses der Forscher standen die sogenannten FLVR-Bakterien. Das Quartett setzt sich zusammen aus: Faecalibacterium, Lachnospira, Veillonella und Rothia. Bei den meisten Babys besiedeln die FLVR-Bakterien auf natürlichem Weg die Darmflora in den ersten drei Monaten. Doch bei manchen Babys entwickeln sie sich nicht. Eine übertriebene Hygiene könnte daran schuld sein, denn eine zu sterile Umgebung bietet den Bakterien keinen Lebensraum.

Auch wenn wir Bakterien normalerweise nicht besonders „sexy“ finden, der Mensch ist auf eine Vielzahl von Mikroben angewiesen. Die menschliche Darmflora besteht aus vielen unterschiedlichen Bakterien. Die Gemeinschaft hilft uns, Nahrung zu zersetzen und lebenswichtige Nährstoffe aufzuspalten. Eine gesunde Darmflora kann nachweislich vor schweren Darmerkrankungen schützen. Mittlerweile wird in der Wissenschaftsgemeinde darüber diskutiert, ob bestimmte Bakterienstämme sogar Schutz vor Übergewicht (Adipositas) und der Zuckerkrankheit (Diabetes) bieten bzw. dass die Krankheiten ausbrechen könnten, wenn wichtige Bakterien im Darm fehlen.

 

Fehlgeleitete Immunreaktion: Asthma zählt zu den Autoimmunerkrankungen

Doch zurück zur kanadischen Studie: Die Daten belegen, dass die Kinder, denen das Bakterien-Quartett in den ersten Lebensmonaten fehlte, später ein höheres Risiko entwickelten, an Asthma zu erkranken.

Die Stuhlproben wurden auch bei einjährigen Kindern erhoben. Zu diesem Zeitpunkt fielen die bakteriellen Unterschiede deutlich geringer aus. Die Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass gerade die ersten drei Lebensmonate für die Ausbildung eines gesunden Immunsystems bei Babys eine wichtige Rolle spielen. Für die Körperabwehr könnten die FLVR-Bakterien als eine Art Sparring-Partner fungieren. Sie würden dann helfen, dass Immunsystem korrekt zu konditionieren. Das Risiko für Fehlprägungen sänke.

Zumindest das allergische Asthma zählen Mediziner zu den Autoimmunkrankheiten, bei denen das Immunsystem fälschlicherweise den die eigenen Zellen angreift. Im Fall vom Asthma reagieren einerseits die Bronchien überempfindlich auf eigentlich harmlose Stoffe wie Blütenpollen. Es kommt in Folge dessen auch zu Entzündungen, die im schlimmsten Fall chronisch werden können.

 

Machen diese Erkenntnisse den Weg frei für die Asthma-Prävention?

Aus Versuchen mit Mäusen weiß die Wissenschaftsgemeinde, dass die Tiere, die zunächst ohne Bakterien geboren und erst später mit FLVR-Mikroben behandelt wurden, deutlich seltener Asthma bekommen als Mäuse, denen die nachträgliche Mikroben-Behandlung verwehrt wurde.

Studien am Menschen müssten ähnliche Zusammenhänge aufdecken, dann könnten die ersten Bausteine für die erfolgreiche Asthma-Prävention gelegt sein. Die kanadischen Forscher möchten auf Basis ihrer Erkenntnisse einen Test entwickeln, mit dessen Hilfe sich jene Kinder finden lassen, die ein großes Risiko für eine Asthma-Erkrankung haben.

 

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