Brustkrebs: Neuer Wirkstoff gegen dreifach negatives Mammakarzinom

KDM4-Inhibitor verspricht neue Hoffnung für Betroffene

Brustkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. Frühzeitig entdeckt, ist das Mammakarzinom in vielen Fällen heilbar. Die Therapien haben sich in den letzten Jahrzehnten sehr stark verbessert, sodass die Diagnose Brustkrebs längst nicht mehr mit dem Verlust der Brust einhergehen muss. Doch bei dreifach negativem Brustkrebs fällt die Prognose deutlich schlechter aus. Hier stößt die moderne Medizin noch immer an ihre Grenzen. Mittlerweile ist klar, dass Brustkrebs nicht gleich Brustkrebs ist. Bei dreifach negativen Brustkrebs finden Wissenschaftler weder Rezeptoren für die Hormone Östrogen (ER = Östrogenrezeptor) und Progesteron (PR = Progesteronrezeptor), noch für den humanen epidermalen Wachstumsfaktor 2 (HER2). Somit steht weder eine Hormontherapie noch eine Antikörpertherapie als Behandlungsoption zur Verfügung.

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In den letzten Jahrzehnten hat sich die Therapie von Brustkrebs enorm verbessert. War früher die Mastektomie, die Brustamputation, noch die Regel, so kann heute in vielen Fällen die Brust erhalten werden. Fünf Jahre nach der Diagnose gelten mittlerweile 90 Prozent der Brustkrebs-Patientinnen als geheilt. Beim triple negativem Mammakarzinom sehen die Prognosen allerdings nicht ganz so gut aus, weil diese Tumoren schwerer zu fassen sind. Jetzt soll eine neue Gruppe von Medikamenten helfen: die epigenetischen Inhibitoren.

 

Wissenschaftler der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und des Universitätsklinikums Freiburg machen den Betroffenen jetzt neue Hoffnung. Sie haben den Einsatz eines neuen Inhibitors in einer Studie getestet und die vielversprechenden Ergebnisse im Fachmagazin „Cancer Research“ veröffentlicht.

 

Triple negatives Mammakarzinom besonders tückisch, da normale Therapien die Krebsstammzellen nicht erreichen können

Die Diagnose „Dreifach negativer Brustkrebs“ wird bei rund 15 Prozent der Brustkrebs-Patientinnen gestellt. Mit den herkömmlichen Therapien sind die Betroffenen schnell austherapiert. Ihr Mammakarzinom ist besonders aggressiv. Wenn nach Chemotherapie und Bestrahlung nur ein paar Krebszellen im Körper zurückbleiben, so reicht selbst eine kleine Zellpopulation aus, um das Tumorwachstum aufrechtzuerhalten. Besonders perfide: Die Tumorzellen sind ziemlich resistent gegenüber den gängigen Zytostatika, sodass eine Chemotherapie ihnen relativ wenig anhaben kann. Beim dreifach negativem Brustkrebs kommt es daher häufig zu Rückfällen und auch zur Bildung von Metastasen.

Bei den immer wieder überlebenden Krebszellen handelt es sich sehr wahrscheinlich um Krebsstammzellen, die ähnlich wie normale Stammzellen, beständig neue Krebszellen produzieren. Die moderne Krebsforschung sucht daher fieberhaft nach Möglichkeiten, gezielte Therapien gegen die Krebsstammzellen zu finden. Bislang jedoch fehlten den Wissenschaftlern geeignete Modelle, um daran die Tumorstammzellen und das Wachstum von Tumoren zu erforschen.

 

Krebsstammzelllinien bilden dreifach negativen Brustkrebs im Modell nach

Am Zentrum für Translationale Zellforschung (ZTZ) in Freiburg wurde nun ein Modell entwickelt, dass mit Krebsstammzellen arbeitet, die aus Tumorproben von Brustkrebspatientinnen isoliert werden. Für die Isolation der Zellen ist auch kein Zwischenschritt über ein Tiermodell mehr notwendig. So gelang es, mehrere Krebsstammzelllinien von dreifach negativem Brustkrebs zu gewinnen. Sie bilden den ursprünglichen Patiententumor sehr gut nach. An diesem Krebsstammzellenmodell können die Forscher neue Ansätze und Wirkstoffe testen. So wurde das Potenzial mehrerer neu entwickelter epigenetischer Inhibitoren untersucht.

 

Epigenitischer KDM4-Inhibitor für Brustkrebstherapie erweist sich als vielversprechende Therapieoption

Ein epigenetischer Inhibitor steuert die Aktivität der Gene, ohne die DNA selbst umzuschreiben. Er sorgt lediglich dafür, dass bestimmte Abschnitte gelesen werden oder eben nicht. Nach dieser so gewonnen Blaupause produziert der Körper daraufhin die angeforderten Proteinbausteine.

Den Wissenschaftlern des Freiburger Centre for Biological Signalling Studies (BIOS) gelang es zu zeigen, dass die Hemmung des epigenetischen Regulators KDM4 mit Hilfe eines Inhibitors einen neuen Therapieansatz darstellen könnte. Ein in den USA entwickelter KDM4-Inhibitor konnte in Versuchen überzeugen und die Brustkrebs verursachenden Stammzellen erfolgreich bekämpfen. Der Inhibitor blockiert die gefährlichen Eigenschaften der Brustkrebs-Tumorstammzellen, sodass die Zellen mit Chemotherapeutika erreicht und eliminiert werden können. Die Untersuchung an den Krebsstammzellen wurde von Tierversuchen begleitet. Dort zeigte sich ebenso ein Rückgang des Tumorwachstums.

Von diesen neuen Erkenntnissen werden Frauen mit dreifach negativem Brustkrebs in Zukunft profitieren, denn mit den epigenetischen Inhibitoren stehen neue Optionen in der Krebstherapie offen.

 

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