Brille gegen Farbenblindheit

Farbenblind: Neue Brillen versprechen Hilfe. Was taugen sie?

Stellen Sie sich vor, Sie sehen die Welt nicht in bunten Farben, sondern lediglich in verschiedenen Graustufen. Das ist für viele Menschen nur schwer vorstellbar, aber für manche Mitmenschen mit Achromasie jedoch Normalität. Die Farbenblindheit ist genetisch bedingt, damit angeboren und bislang nicht heilbar. Die Betroffenen erkennen die Umgebung seit der Geburt nur in Grautönen. Das kann zu erheblichen Problemen im Alltag führen – nicht nur bei der Zusammenstellung der Garderobe, sondern beispielsweise auch an der Ampel.

© AlexanderStein / pixabay.com

Farbenblinde nehmen die Welt anders wahr als Normalsichtige. Für diese ist das Bild schön bunt. Die Farben sind klar voneinander abgegrenzt. Menschen mit einer Rot-Grün-Sehschwäche dagegen können die Farbtöne Rot und Grün nicht auseinanderhalten. Bei einer Achromasie würde das Bild lediglich aus Grautönen bestehen, denn die Betroffenen können nur Schwarz/Weiß und damit hell und dunkel wahrnehmen.

 

Arten der Farbenblindheit

Jedoch ist farbenblind nicht gleich farbenblind. Es gibt verschiedene Ausprägungen:

Bei der Achromasie werden keinerlei Farben wahrgenommen, sondern nur Kontraste. Die Betroffenen leben in einem Schwarz-Weiß-Film.

Bei der Monochromasie hat alles einen bestimmten Farbstich. Die Welt ist „unbunt“. Betroffene beschreiben ihre Wahrnehmung als hätte alles beispielsweise einen Braunschleier.

Bei der Dichromasie handelt es sich genaugenommen um eine Farbenfehlsichtigkeit und keine Farbenblindheit im engeren Sinne. Hier werden zwei Farbtöne miteinander verwechselt bzw. nicht korrekt erkannt. Am häufigsten und damit am bekanntesten ist die Rot-Grün-Blindheit (Protanomalie bzw. Deuteroanomalie). Für Betroffene sind beide Farben nicht so klar voneinander getrennt wie für Normalsichtige. Rot-Grün-Blinde sehen Rot eher als Braun und Grün eher als Grau, sodass sie nicht mit Sicherheit die beiden Farben unterscheiden können.
Darüberhinaus gibt es die Gelb-Blau-Sehschwäche (Tritanomalie). Diese ist jedoch sehr selten.

 

Zapfen in der Netzhaut für das Farbensehen verantwortlich

Für das Farbensehen sind in der Netzhaut die sogenannten Zapfen verantwortlich. Dabei handelt es sich um bestimmte Sinneszellen, die jeweils als Blau-, Rot- oder Grünzapfen ein bestimmtes Farbspektrum wahrnehmen. Ursache für eine Rot-Grün-Blindheit ist die starke Überlappung der Absorptionsspektren der Rot- und Grünzapfen. Dadurch ist eine Unterscheidung der Farben Rot und Grün unmöglich.

Von einer Farbenblindheit sind etwa 8 % der Männer und nur 0,4 % der Frauen betroffen. Dieses Phänomen erklärt sich wie folgt. Die Gene für die Rot- und Grünzapfen liegen auf dem X-Chromosom. Frauen besitzen zwei X-Chromosomen und erkranken nur, wenn beide vom Gendefekt betroffen sind. Im Gegensatz dazu besitzen Männer nur ein X-Chromosom, sodass bei ihnen bereits ein defektes Gen ausreicht.

 

Ishihara-Farbtafeln ermöglichen Diagnose

Besteht der Verdacht auf Farbenblindheit, so wird dies mithilfe der sogenannten Ishihara-Farbtafeln von Augenärzten überprüft. Die Sehtestbilder bestehen aus Farbflecken, die in unterschiedlichen Größen und in verschiedenen Farbnuancen angeordnet sind. Normalsichtige Menschen erkennen auf den Tafeln andere Motive als Menschen mit einer Rot-Grün-Schwäche. Der Farbsehtest sollte idealerweise um das 14. Lebensjahr erfolgen. Da für viele Berufe ein exzellentes Sehvermögen benötigt wird, bringt der beispielsweise für Piloten, Polizisten, Kapitäne, Lokführer sowie Berufskraftfahrern obligatorische Sehtest eine Farbfehlsichtigkeit ans Tageslicht. Farbenblinde können diese genannten Berufe nicht ausüben.

 

Brillenfirma will Farbensehen ermöglichen

Die kalifornischen Brillenfirma EnChroma stellt spezielle Brillen mit getönten Gläsern her. Diese Brillen filtern bestimmte Wellenlängen des Lichtes heraus. Mittels roten Brillengläsern können die Betroffenen die Farben Rot und Grün erstmals in ihrem Leben klar unterscheiden. Zu beachten ist jedoch, dass diese Sehhilfen nur bei Sonnenschein den gewünschten Effekt erzielen. Praktisch machen sie mit der Brille nur andere Farbverwechslungen, da die entsprechende Farbe verstärkt wird. Die Unterscheidung von Hell-Dunkel-Nuancen fällt somit leichter. Die Wahrnehmung der anderen Farben dagegen wird schwieriger. Vom korrekten Farbensehen sind die Brillenträger trotzdem noch immer weit entfernt.

Der Preis für die Sehhilfe beläuft sich auf ungefähr 400 Euro. Die Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten nicht. Von daher müssen die Betroffenen selbst entscheiden, ob eine solche Spezialbrille für sie etwas ist. Viele entscheiden sich dagegen, denn es ändert sich für sie nicht wirklich viel. Sie kennen seit der Geburt die Welt nur so und stören sich daran nicht.

 

Disclaimer
familien-gesundheit.de stellt ausschließlich Beiträge für Informationszwecke bereit. Die Hinweise und Informationen sind nicht zur Selbstbehandlung geeignet. Sie ersetzen kein persönliches Gespräch, keine professionelle Beratung, keine individuelle Untersuchung oder fachkundige Behandlung durch ausgebildete und anerkannte, im Gesundheitswesen tätigte Experten wie z. B. Ärzte, Apotheker, Hebammen oder Physiotherapeuten.