Bewegung: Was Vorschulkinder können sollten

Grobmotorik & Feinmotorik: Bewegungsentwicklung bei Vorschulkindern

Bei der U9 und etwas später bei der Einschulungsuntersuchung wird auf verschiedenste Entwicklungsbereiche des Kindes eingegangen. Ist es so selbstständig, dass es sich alleine anziehen, essen und zur Toilette gehen kann? Hat es genug Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit, um einen Schultag durchzuhalten? Wie verhält es sich gegenüber anderen? Kann es Farben, Formen und Größen unterscheiden? Kann es sich Dinge merken? All diese Fragen spielen mit hinein, wenn es darum geht, ob das Kind altersgerecht entwickelt und demnächst „schulreif“ ist. Dabei geschieht die Entwicklung nicht gleichmäßig, sondern schubweise und in unterschiedlichen Reihenfolgen. Vielleicht kann Ihr Kind schon bis 50 zählen, aber noch nicht Fahrrad fahren oder Bonbons abgeben – oder umgekehrt.

Neben den genannten Entwicklungsbereichen werden auch die körperliche Entwicklung und die motorischen Fähigkeiten untersucht. Selbst die Fortschritte bei Geschicklichkeit und Beweglichkeit sind von Kind zu Kind unterschiedlich und nicht auf einen bestimmten Lebensmonat festzulegen. Jedoch sind bei einer normalen Entwicklung bestimmte motorische Fähigkeiten in einem bestimmten Alter zu erwarten. Um diese Bewegungsentwicklung bei Vorschulkindern und darum, wie sie gefördert werden kann, soll es hier gehen.

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Kinder haben ihr eigenes Entwicklungstempo. Doch in puncto Bewegungsabläufen sollten normalentwickelte Kinder bestimmte feinmotorische und grobmotorische Fähigkeiten haben.

 

Beeinträchtigung der Bewegungsentwicklung

Erkrankungen oder Behinderungen können die Entwicklung motorischer Fähigkeiten selbstverständlich deutlich verzögern und können sie auch dauerhaft beeinträchtigen. Dann gilt ein anderer „Zeitplan“. Hier kommt es vor allem auf die – vielleicht auch kleinen, aber umso wertvolleren – Fortschritte an. Sind Sie sich unsicher, oder haben Sie das Gefühl, Ihr Kind bewege sich auffällig anders als Gleichaltrige, können Sie Ihren Kinderarzt um Rat fragen.

 

Bewegungserfahrung gibt Sicherheit

Für alle Kinder vom zarten Babyalter an gilt, dass Beweglichkeit und Geschicklichkeit nur durch Bewegung und Ausprobieren entwickelt werden können. Klettern, Rad fahren oder schwimmen können nicht theoretisch gelernt werden. Wer es nur „beigebracht bekommt“, aber nie wieder tut, wird kaum Sicherheit erlangen. Auch kleine Unfälle, Stürze und Schrammen gehören dazu. Lassen Sie Ihrem Kind von Anfang an den Freiraum, selbst auf Entdeckungstour zu gehen und seinen Körper im Rahmen seiner wachsenden Möglichkeiten auszuprobieren. Kinder, die ausgiebig rennen, klettern und toben dürfen, haben zwar ab und zu einen blauen Fleck oder ein aufgeschlagenes Knie, sind aber in ihren Bewegungen und in der Einschätzung ihrer körperlichen Fähigkeiten sehr viel sicherer.

Ideal für die Bewegungsentwicklung auch bei Vorschulkindern sind regelmäßige Besuche auf dem Spielplatz. Hier ist Platz, hier darf man toben und Krach machen, hier trifft man andere Kinder – und andere Eltern. Unterschiedliche Spielgeräte fördern unterschiedliche Bewegungsfertigkeiten wie sicheres Klettern, Springen, Hangeln oder Rutschen. Auch wenn Sie selbst manchmal einen Schreck bekommen, versuchen Sie Vertrauen in ihr mutiger werdendes Kind zu haben und keine Verbote auszusprechen, wenn es irgendwann über die Wippe balanciert, außen am Klettergerüst entlangklettert oder von der Schaukel abspringt.

 

Motorische Entwicklung bei Vorschulkindern

Kinder im Vorschulalter verfügen im Großen und Ganzen über routinierte und fließende Bewegungsabläufe. Noch steht die Entwicklung und der Ausbau der Großmotorik, also der Fertigkeiten der großen Muskelgruppen im Vordergrund: Dazu gehören spielerisches Toben, Rennen, Springen oder Klettern, aber auch gezielte Bewegungen wie die Küche fegen oder Blätter zusammenharken. Doch auch der feinmotorische Bereich, in dem es auf Fingergeschicklichkeit ankommt, wird stetig ausgebaut. Beispiele für die motorischen Fähigkeiten von Vorschulkindern finden Sie im Folgenden – machen Sie sich aber keine Sorgen, wenn Ihr Kind noch nicht alles kann, es geht nur um eine Orientierung!

  • Ihr Kind kann einen Ball von oben oder von unten werfen und trifft (so ungefähr) ein nahes Ziel. Wirft man ihm den Ball zu, kann es ihn meistens auffangen. Ballspiele sind sehr wichtig für die Hand-Augen-Koordination – fördern Sie diese, eventuell auch durch den Besuch einer Kindersportgruppe.
  • Vorschulkinder verfügen in der Regel über einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn. Balancieren auf Mauern oder Linien fällt ihnen nicht schwer. Auf einem Bein stehen und hüpfen klappt gut, und Roller fahren fällt ihnen leicht.
  • Fast alle Vorschulkinder können Fahrrad fahren oder sich zumindest streckenweise auf dem Rad halten. Haben Sie es noch nicht ausprobiert, wird es Zeit, einen Versuch zu unternehmen.
  • Das Überspringen von Hindernissen (20 bis 25 cm) ist eine Bewegung, die Kinder im Vorschulalter zumeist gut beherrschen. Bauen Sie doch einmal im Hof einen Hindernisparcours für Turnierpferde auf und stoppen Sie die Zeit!
  • In Bezug auf die Feinmotorik lässt sich bei Fünf- bis Sechsjährigen beobachten, dass sie eine Hand bevorzugt verwenden. Ist Ihr Kind vermutlich Linkshänder, versuchen Sie bitte nicht – wie es früher üblich war – es umzuerziehen!
  • Vorschulkinder können in der Regel einen Stift richtig halten. Die meisten fangen an, einzelne Buchstaben abzuschreiben oder ihren eigenen Namen zu schreiben. Auch Formen wie Dreiecke, Kreise und Vierecke können sie unterscheiden und mehr oder weniger ordentlich zeichnen. Der Umgang mit Schere und Kleber ist für die meisten kein Problem mehr.
  • Haben Sie das Gefühl Ihr Kind ist mit den Fingerchen noch ein wenig ungeschickt, versuchen Sie, es mit kleinen Aufgaben zu motivieren: Lassen Sie es sein Brot selbst schmieren und sich selbst eingießen, geben Sie ihm einen Sparschäler, damit es beim Karotten- oder Kartoffelschälen helfen kann, lassen Sie es auch einmal Käse reiben oder Gemüse schneiden – es muss ja nicht das schärfste Messer sein. Auch ein Geschenk einpacken, Ketten auffädeln oder ein Bild mit Bügelperlen machen sind schöne „Übungen“.
  • Kommt Ihr Kind in die Schule, ist es wichtig, dass es sich alleine anziehen kann – und zwar nicht nur Sporthose und T-Shirt. Dazu gehört, dass es selbst Knöpfe und Reißverschlüsse öffnen und schließen kann, aber auch, dass es die Schleife an den Sportschuhen binden kann. Auch wenn heute viele Schuhe Klettverschlüsse haben: Fangen Sie schon einmal an, Schleifen binden zu üben, denn bis sie richtig sitzen und halten, dauert es eine Weile.

 

 

Das Fahrrad zwischen Spielzeug und Verkehrsmittel

Auch wenn die meisten Vorschulkinder von der Bewegung her bereits Fahrrad fahren können: Sie sehen ihr Fahrrad eher als Spielzeug, denn als Verkehrsmittel an, und das ist auch richtig so. Zwar sind Räder ab 20 Zoll Radgröße meist verkehrssicher ausgestattet, die Kinder sind es aber noch nicht! Nicht ohne Grund findet die Fahrradprüfung in der Schule erst in der vierten Klasse statt. Vorher sind Kinder noch nicht in der Lage, den Straßenverkehr zu überblicken und Geschwindigkeiten anderer Fahrzeuge korrekt einzuschätzen. Auch wenn Ihr Fünfjähriger schon seit zwei Jahren sicher auf zwei Rädern unterwegs ist: Lassen Sie ihn nur auf dem Fußweg fahren und nicht alleine Straßen überqueren! Ansonsten sind Parks oder große Spielplätze ideal, um sich darin zu üben gleichzeitig zu treten, lenken, auch mal eine Hand auszustrecken, nach vorne zu schauen, sich umzugucken und auch sonst alles drumherum wahrzunehmen.

 

Wann sollten Kinder schwimmen lernen?

Ein anderes großes Thema ist das Schwimmen. Alles in allem trainieren Kinder beim Schwimmen nicht nur Bewegungskoordination und Ausdauer, sondern sie lernen auch, sich sicher im Wasser zu bewegen, und das ist viel Wert! Motorisch sind die meisten Vorschulkinder in der Lage, die Arm- und Beinbewegungen des Brustschwimmens richtig zu koordinieren. Hier spielen aber auch weitere Faktoren eine Rolle. Hat Ihr Kind Angst vor dem Wasser? Wie ist es, wenn es nicht mehr stehen kann? Bekommt es Panik, wenn der Kopf unter Wasser ist? Zwingen Sie Ihr Kind zu nichts. Bedenken Sie aber, dass Schwimmen und das richtige Verhalten im Wasser lebenswichtig sein können. Es muss nicht gleich ein Schwimmverein sein, auch die meisten Schwimmbäder oder Fitnessstudios mit Schwimmbecken bieten Schwimmlernkurse an. In der Schule wird je nach Bundesland und Schule, wenn überhaupt, erst in der zweiten oder dritten Klasse Schwimmen angeboten. Möchten Sie allerdings wirklich, dass Ihr Kind bis acht oder neun Schwimmflügel braucht? Oder soll es im Freibad frei herumtoben können, selbstverständlich unter wachsamen Augen?

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