Besser schlafen mit Zirbenholz

Sorgt das Holz der Zirbelkiefer für eine erholsamere Nachtruhe?

Die Zirbelkiefer gehört zu den Kieferngewächsen. Sie hat seit der letzten Eiszeit im Alpenraum und in den Karpaten eine Heimat gefunden. Die Zirbe ist sehr anpassungsfähig. Sie findet sogar im hochalpinen Raum in Höhenlagen von 1.300 bis 2.900 Metern ihr Auskommen. Daher wird die Zirbelkiefer auch ehrfurchtsvoll „Königin der Alpen“ genannt. Im Laufe der Jahrhunderte lernte der Mensch die positiven Eigenschaften des Zirbenholzes zu nutzen.

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Die Zirbe gilt auch als Kraftbaum. Diese Kraft hat sich der Mensch schon seit alters Zeiten ins Haus geholt. Im Zirbenbett oder mit einem Zirbenkissen unter dem Kopf soll man besonders gut schlummern können. Vielleicht liegt es am besonderen Zirbenduft. Vielleicht aber wacht die Zirbe auch über den Schlaf und hält böse Geister und Dämonen fern. Dem Mythos „Zirbenholz“ versucht dieser Beitrag in puncto Wahrheit und Glauben auf die Spur zu kommen.

 

In der Regel erreicht die Zirbe ein Alter von 200 bis 400 Jahren. Wahre Methusalems brachten es allerdings auch schon auf ein Alter von 1.000 Jahren. Das Holz der bis zu 25 Meter hohen Zirbelkiefer, die im Volksmund auch Arbe, Arve, Zirbel oder Zirbe und von Botanikern Pinus cembra genannt wird, eignet sich besonders für die Möbelproduktion und Schnitzerei. Es gilt als das leichteste Holz aller heimischen Nadelholzarten. Darüber hinaus ist es sehr formstabil, weil der Baum nur langsam wächst und die Jahresringe dadurch ganz regelmäßig aufgebaut sind.  Zirbenholz besitzt außerdem einen sehr aromatischen Duft, der nicht nur von Parfumeuren als „Weihrauch der Alpen“ bezeichnet wird. Aus Zirbenzapfen und Zirbensamen dagegen lassen sich regionale Produkte wie Zirbenschnaps und Zirbenlikör herstellen.

 

Die Kraft der Zirbe

Wer Holz liebt, „verguckt“ sich schnell ins Zirbenholz. Es besitzt eine wundervolle, warme Farbe und eine sehr lebhafte Musterung. Es eignet sich daher besonders für Täfelungen, aber auch für Schränke, Kommoden und Betten. Zirbenholz-Verzierungen finden sich in vielen alten Bauernküchen und Schlafzimmern. Zunehmend wiederentdeckt wird das Zirbenholz für die Badezimmer-Einrichtung, denn es zeichnet sich durch ein sehr geringes Quell- und Schwindverhalten aus. Damit eignet es sich hervorragend für den Nasszellenbereich.  Und selbst ganze Saunen werden aus Zirbenholz gebaut.

Der angenehme Duft des Zirbenholzes geht auf den hohen Gehalt an Holzinhaltsstoffen zurück. So enthält Zirbenholz beispielsweise Pinosylvin. Es ist im Holz, im Harz und in den Nadeln eingelagert. Pinosylvin ist eine Substanz, der eine antibakterielle und antifungale Wirkung nachgesagt wird. Das heißt: Zirbenholz macht Pilzen, Bakterien und damit Schadorganismen den Garaus. Diese Eigenschaft haben sich die Menschen des Alpenraumes schon lange zu Nutze gemacht und beispielsweise Brotkörbe aus Zirbenholz gefertigt, um so das Brot vor Schimmelbefall zu schützen. Während Menschen den Duft des Zirbenholzes als angenehm empfinden, sehen Insekten zu, dass sie sich davon fernhalten. Zirbenholzmöbel verfügen daher über einen ganz natürlichen Mottenschutz.

 

Der Duft der Zirbenspäne ist Wellness pur

Vor allem die bei der Möbelherstellung anfallenden Zirbenspäne erleben eine wahre Renaissance im Wellness-Sektor. Sie werden nicht verbrannt oder kompostiert, sondern weiterverarbeitet – beispielsweise als Füllung für die Zirbenkissen, die in der Schweiz auch als Arvenkissen bezeichnet werden. Die aus den gehobelten Spänen ausströmenden ätherischen Öle verbreiten nicht nur den charakteristischen Zirbenduft. Sie sollen auch für einen gesunden und tiefen Schlaf sorgen.

Die Langlebigkeit des Zirbenduftes überrascht, denn eine vor 300 Jahren gefällte Zirbe riecht genauso intensiv wie das Holz eines frisch gefällten Baumes. Feine Nasen können über die Zeit eine Veränderung des Duftes wahrnehmen. Wird er anfangs als eine Erinnerung an trockene Nadeln in der Herbstsonne, d. h. als „mild, rund, warm vibrierend“ beschrieben, so riecht älteres Zirbenholz wärmer und voller. Es bekommt blumige Noten und weckt nicht nur Assoziationen an Sommer und Wald, sondern auch an Weihrauch und Vanille.

 

Wellness im Schlafzimmer: Besserer Schlaf dank Zirbenholz-Möbel?

Apropos Schlaf: Die Möbelhersteller werben ebenfalls mit der gesundheitsfördernden Wirkung des Zirbenholzes. Untersuchungen des „Joanneum Research“, einem Institut für Nichtinvasive Diagnostik, belegen, dass der Schlaf in einem aus Zirbenholz gefertigten Bett tiefer und fester sein soll. Der Organismus bekommt so die Chance, sich in der Nacht besser zu erholen. Dies zeigt sich unter anderem an einer reduzierten Herzfrequenz. Die Probanden berichteten nach dem Aufwachen über ein verbessertes Allgemeinbefinden und eine verringerte Wetterfühligkeit. Außerdem beobachteten die Versuchsteilnehmer an sich selbst eine höhere soziale Extrovertiertheit. Früher waren übrigens auch Gaststuben und Gasthäuser mit Zirbenholz ausgekleidet. Vielleicht wussten die Altvorderen bereits um die mögliche, geselligkeitssteigernde Wirkung der Zirbe.

 

Ist Zirbenholz wirklich so gesund wie behauptet?

Die Studie des Joanneum-Forschungsinstituts aus Graz ist bislang die einzige ihrer Art, wenn man nach Belegen für die schlaffördernde und damit gesundheitsfördernde Wirkung des Zirbenholzes sucht. Die Probanden schliefen für die Untersuchung für jeweils sechs Nächte im eigenen Bett, in einem Zirbenholzbett sowie in einem identisch aussehen Bett aus Pressspanplatten mit Holzdekor. Die Forscher zeichneten die Herzfrequenz und die Hirnströme der Teilnehmer auf und stellten während des Schlafens im Zirbenholzbett einen ruhigeren Puls sowie ein weniger erregtes Nervensystem fest.

Die Studie ist jedoch nicht unumstritten. Im Forschungsbericht fehlen genaue Daten. Mediziner und Schlafforscher bemängeln außerdem die geringe Teilnehmerzahl von 15 Personen. Daher müssen die festgehaltenen Aussagen vorsichtig interpretiert werden. Im besten Fall sind die Aussagen der Studie die Basis für die Hypothesen von weiteren Untersuchungen. Nur so lässt sich überprüfen und am Ende belegen, dass Zirbenholz den gesunden Schlaf fördert und welche Wirkung eine schöne Umgebung und ein angenehmer Geruch auf den Schlaf haben können. So oder so ist beim Zirbenholz zumindest von einem Placebo-Effekt ähnlich wie in der Homöopathie auszugehen: Wer an die Heilkraft des Zirbenholzes glaubt, schläft vermutlich besser.

Von daher kann man es ruhig riskieren und sich aus dem nächsten Alpenurlaub als Souvenir ein Zirbenkissen für besseren Schlaf mitbringen. Es muss ja noch nicht gleich ein komplettes Schlafzimmer aus Zirbenholz sein.

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