Barbarazweige

Ein schöner Adventsbrauch, der ein echtes Weihnachtswunder möglich macht

In vielen Familien hat der Brauch der Barbarazweige die Zeiten überdauert: Zu Beginn der Adventszeit holt man sich kahle Zweige ins Haus, damit diese genau an Weihnachten blühen. Das ist wahre Magie, doch dafür muss man kein Zauberer wie Copperfield oder die Ehrlich Brothers sein. Wirklich jeder kann das einfach nachmachen.

Damit auch Ihre Barbarazweige blühen, hat die Redaktion von familien-gesundheit.de ein paar Tipps zusammengestellt.

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Das Schneiden der Barbarazweige am Barbaratag ist ein schöner Adventsbrauch, der für Kinder das Weihnachtsfest noch ein wenig spannender macht: Werden es die Blüten bis zum Weihnachtsmorgen schaffen und ihre Knospen öffnen?

 

Eine alte Bauernregel besagt: „Knospen an St. Barbara, sind zum Christfest Blüten da.“ Kam das bunte Barbara-Blühwunder in der dunklen Jahreszeit früher der Hexerei gleich, wissen wir heute genau, warum es funktioniert. Das ist kein fauler Zauber. Das ist einfach die Natur!

 

Der Barbaratag erinnert an das Schicksal der Heiligen Barbara

Der 4. Dezember ist der heiligen Barbara von Nikomedia gewidmet und heißt deswegen auch Barbaratag. Sie war um das Jahr 300 nach Christus zum Christentum übergetreten. Für ihren neuen Glauben wurde das Mädchen vom eigenen Vater ins Gefängnis gebracht und zum Tode verurteilt. Der Legende nach verfing sich auf dem Weg in den Kerker ein Kirschzweig in ihrem Gewand. In ihrer Gefängniszelle versorgte sie den Reisigzweig mit Wasser aus ihrer Trinkschale. Am Tag ihrer Hinrichtung erblühte der Kirschzweig, denn er hatte Knospen gebildet. Zum Gedenken an die junge Märtyrerin schneidet man bis heute am Barbaratag, also am 4. Dezember, Zweige im Garten und stellt sie ins Haus. Die Hoffnung ist, dass sie bis zum Heiligenabend Blüten treiben und genau am Weihnachtsmorgen erblühen.

Wie viele christliche Bräuche hat auch die Tradition der Barbarazweige wohl heidnische Ursprünge. Man vermutet, dass sie auf das Orakel der germanischen Lebensruten zurückgehen.

 

Welche Gehölze eignen sich neben den traditionellen Kirschzweigen als Barbarazweige?

Ganz traditionell werden als Barbarazweige die Äste von Kirschen geschnitten. Heute nimmt man dafür nicht nur Süßkirschen und Sauerkirschen, sondern auch Zierkirschen wie die Japanische Kirsche. Doch auch bei Pflaumenästen funktioniert es sehr zuverlässig, dass sie im Haus die drei Wochen bis Weihnachten nutzen, um ihre Blütenknospen tatsächlich zu öffnen. Bei den Pflaumen stehen auch Zwetschgen sowie Blutpflaume oder Zierpflaume zur Verfügung. Als Barbarazweige gut geeignet sind ebenso die Äste von Ziersträuchern wie Forsythie, Mandelbäumchen, Ginster oder Zierquitte und einiger Wildobstsorten wie Kornelkirsche oder Schlehe, die im Garten gern für Naschhecken und Vogelhecken genutzt werden. Auch bei Winterblühern wie Winterjasmin und Zaubernuss zeigen sich mit Sicherheit Blüten.

Schneidet man die Zweige von Apfel, Flieder oder Goldregen, so braucht man etwas Glück. Hier klappt es nicht immer, aber mit der richtigen Auswahl immer öfters. Sie sollten für die Barbarazweige gezielt nach Trieben mit dicken, rundlichen Knospen suchen, denn das sind die Blütenknospen. Aus den eher schlanken Knospen treiben meist nur Blätter, was sicherlich auch seinen Reiz hat. Zweige von Birke, Weide und Haselnuss blühen zwar nicht, aber bringen dafür garantiert ein leuchtend frisches Grün ins Wintergrau.

 

Das richtige Timing und Verständnis der Natur sorgen für das Erblühen der Barbarazweige

Damit das Antreiben der Barbarazweige auch wirklich gelingt, brauchen die Pflanzen mehrere Frostphasen. Bei frühen Nachtfrösten und einem kalten November stehen die Chancen sehr gut, denn dann ist die Natur bereits voll im „Wintermodus“. Gab es bis Anfang Dezember kaum Fröste, lässt sich die Pracht der Barbarazweige dennoch realisieren. Sie müssen die Natur nur etwas austricksen, indem Sie den Mut haben, die Zweige für ein paar Tage in die Tiefkühltruhe zu legen. So gaukelt man ihnen vor, es wäre jetzt tiefster Winter.

Zur Vorbereitung werden die Barbarazweige schräg angeschnitten und angeklopft, um eine optimale Wasserversorgung zu gewährleisten. Für einen ersten „Temperaturschock“ (von kalt zu warm) bekommen sie über Nacht ein Bad in lauwarmen Wasser spendiert. Danach werden Sie in eine Vase gestellt. Das Wasser sollte regelmäßig, spätestens aller vier Tage ausgetauscht werden, damit sich keine „Keimbrühe“ entwickeln kann.

Die Vase mit den Barbarazweigen wird am besten in ein kühles Zimmer oder den Hausflur gestellt. Im richtigen Frühling steigen die Temperaturen ja auch erst langsam an und es sind nicht gleich 25 Grad Celsius. Im Wohnzimmer droht den Barbarazweigen Gefahr, denn trockene und zu warme Heizungsluft könnte die Knospen schädigen oder ganz vertrocknen lassen.

Wie so oft ist auch bei den Barbarazweigen Geduld gefragt. In den drei Wochen von Anfang Dezember bis Weihnachten sammeln die Knospen genau die Wärmesumme, die ihnen im Normalfall im Frühjahr in der Natur den richtigen Startzeitpunkt angezeigt hätte. Daher brauchen die Äste einfach ihre Zeit. Mit Wärme allein lässt sich der Prozess nicht wirklich beschleunigen. Möchten Sie Ihren Barbarazweigen wirklich etwas Gutes tun, erfrischen Sie sie jeden Tag mit etwas Wasser. Dazu füllen Sie kalkfreies, abgestandenes Wasser in eine Sprühflasche und hüllen die Zweige in einen feinen Sprühnebel ein. Das hält die Knospen frisch und saftig wie der Morgentau.

 

Der Barbarazweig kann Wünsche erfüllen

Erblühen die Knospen, so nehmen Sie sich bitte trotz all des Weihnachtstrubels und der Hektik zwischen Frühstück und Gänsebraten bewusst die Zeit, um den Duft der Barbarazweige zu genießen. Die zarten Blüten mitten im Winter lassen Ihr Haus erstrahlen. Die Tannenzweige werden für kurze Zeit in den Hintergrund treten. Der Kontrast zwischen zarten Blüten und sattem Tannengrün begeistert einfach Jung und Alt.

Barbarablüten gelten übrigens nicht nur als Glücksbringer, sondern auch als Hochzeitsorakel. Dem Aberglauben nach sollen ledige Mädchen jeweils die Namen von Verehrern auf einzelne Zettel schreiben und diese Zettel an den Barbarazweigen befestigen. Der Zweig, wo sich zuerst die Blüten öffnen, sagt den Auserwählten und damit den zukünftigen Ehemann vorher.

Doch man kann den Brauch heute auch abwandeln. Jedes Familienmitglied soll einen Wunsch auf einen Zettel schreiben. Die Zettel werden an die verschiedenen Zweige des Barbarastraußes gehangen. An dem Barbarazweig, wo wiederum als erstes die Knospen aufgehen, dieser Wunsch wird dann erfüllt.