Bandscheiben aus Stammzellen

Steht eine Revolution in der Wirbelsäulenchirurgie bevor?

Für Rückenschmerzen-Geplagte klingt es ziemlich verlockend: Als präventive Maßnahme lässt man die eigenen Stammzellen einfrieren. Diese können bei einer Fettabsaugung gewonnen werden, denn Fettgewebe enthält Fettstammzellen. Mediziner sind später in der Lage aus den Fettstammzellen Bandscheiben zu züchten. Noch gibt es kein entsprechendes Angebot, doch das Orthopädische Spital Speising (OSS) in Wien hat es sich zum Ziel gesetzt, diese Vision wahr werden zu lassen. Die dort tätigen Mediziner möchten die Wirbelsäulenchirurgie revolutionieren.

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Nach einem Bandscheibenvorfall treten häufig starke Schmerzen, im schlimmsten Fall sogar Lähmungen, auf. Zunächst versuchen Orthopäden die Probleme mittels konventioneller Therapie – also einer Kombination aus Schmerzmittelinjektionen, Physiotherapie und Massagen – in den Griff zu bekommen. Schlagen alle Versuche fehl und die Beschwerden manifestieren sich, ist oft eine Bandscheibenoperation der letzte Ausweg. Dabei wird die defekte Bandscheibe abgetragen und durch ein künstliches Implantat ersetzt. In Zukunft sollen komplette, aus Stammzellen gezüchtete Bandscheiben eingesetzt werden.

 

Bislang stehen bei einer Operation nach einem Bandscheibenvorfall lediglich Bandscheibenprothesen aus Metall als Ersatz zur Verfügung. Doch die österreichischen Forscher träumen vom „lebendigen Implantat“. Sie wird aus körpereigenen Zellen gezüchtet, damit keine Abstoßungsreaktionen erfolgen. Die künstliche Bandscheibe aus Stammzellen soll am normalen Stoffwechsel teilnehmen und deswegen in den benachbarten Knochen einwachsen.

 

Stammzellen für die künstliche Bandscheibe könnten aus dem Fettgewebe stammen

Das Speisinger Labor kann aktuell zwei Zwischenergebnisse präsentieren, die die Fachwelt optimistisch stimmen: Zum einen ist es den Tissue-Engineering-Spezialisten gelungen, körpereigenes Fettgewebe in Bandscheibengewebe umzuwandeln. Damit entfällt ein aufwändiger Schritt. Bislang mussten die Fettstammzellen mühsam isoliert und auf ein körperfremdes Trägermaterial aufgebracht werden. Erst danach konnte die Differenzierung ins Wunschgewebe starten. Somit rückt auch ein Transplantat in greifbare Nähe, das vollständig aus körpereigenen Zellen besteht.

Zum anderen konnten die Zellforscher nachweisen, dass sich auch die Stammzellen von Erwachsenen problemlos über Jahre hinweg einfrieren lassen. Der Test deckt einen Zeitraum von drei Jahren ab. Danach wurden die Stammzellen aufgetaut. Im Vergleich zu vorher gab es keinen Qualitätsverlust. Die Stammzellen ließen sich dazu anregen, sich zu Bandscheibenzellen zu entwickeln. Diese können die Basis für ein Bandscheibenimplantat bilden.

 

Neuartige Stammzellentherapien: Bandscheiben aus Stammzellen erst der Anfang

Bislang können Eltern direkt nach der Geburt die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut vorsorglich einfrieren lassen. Doch auch im Erwachsenenalter ist es möglich, Stammzellen für spätere medizinische Anwendungen aufzubewahren und so bei Bedarf auf körpereigene Zellen zurückgreifen zu können – beispielsweise für künstlich gezüchtete Gewebeimplantate. Die Bandscheibe aus Stammzellen dürfte nur eine Anwendungsmöglichkeit von vielen sein. Für das Herzpflaster aus Stammzellen laufen bereits die Vorbereitungen für die erste klinische Studie an.

 

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