Bakterien im Spülschwamm

Hygiene: Bitte Spülschwämme wegschmeißen und nicht heiß auswaschen

Spülschwämme sind praktisch, denn damit ist der Abwasch schnell erledigt und das dreckige Geschirr im Nu gespült. Viele Menschen nutzen Omas Geldspar-Tipp, den Spülschwamm hin und wieder in die Waschmaschine oder Mikrowelle zu packen, um so unangenehme Gerüche zu vermeiden. Dann lässt sich so ein Spülschwamm doch lange benutzen! Klingt zunächst logisch. Der Tipp mag vielleicht gut fürs Portemonnaie sein, aber ist er auch gut für die Gesundheit? Dieser Frage gingen nun Forscher nach. Auf Basis ihrer Untersuchungen, die im Fachmagazin Scientific Reports veröffentlicht wurden, sehen sie sich gezwungen, vor dieser Praxis ausdrücklich zu warnen.

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Wer beim Abwasch auf Spülschwämme setzt, sollte besser einen kleinen Vorrat des nützlichen Küchenutensils im Schrank haben. Denn Wissenschaftler untersuchten, welche Bakterien sich auf dem Spülschwamm tummeln. Ihre eindeutige Empfehlung lautet: Lieber häufiger komplett wechseln. Und besser auf das heiß Auswaschen bzw. Auskochen verzichten. Der Gesundheit zu liebe!

 

Der Spülschwamm: Ein idealer Lebensraum für Bakterien

Der Spülschwamm im Faktencheck: Bakterien lieben Spülschwämme. Hier ist es immer warm und feucht. Es gibt Platz und Nahrung im Überfluss. Schließlich besitzt der Spülschwamm eine große und porige Oberfläche. Das feuchtwarme Spülwasser lässt die Keime wachsen. Speisereste, die am Spülschwamm durch die Reinigung von Tassen und Tellern kleben, sorgen für den nötigen Energienachschub. Ein Bakterium wäre wirklich dumm, wenn es den Spülschwamm nicht als Heimat auserkoren würde.

Spülschwämme sind demnach wahre Keimschleudern. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Studien konnten bereits belegen, dass rund eine Milliarde Keime auf zehn Quadratzentimetern Spülschwamm leben. Doch nun untersuchten Wissenschaftler der Hochschule Furtwangen gemeinsam mit Kollegen von der Justus-Liebig-Universität in Gießen, welche Mikroben genau sich auf einem Spülschwamm tummeln. Sie fragten sich also: Wer wohnt denn da? Das Ergebnis ist alles andere als appetitlich. Es gibt vielmehr Anlass zur Sorge.

Von den Mikrobiologen untersucht wurden insgesamt 14 gebrauchte Spülschwämme. Auf ihnen fanden sich 362 verschiedene Bakterienarten. Die Experten attestieren den Proben, dass die Bakteriendichte durchaus mit der von Fäkalproben vergleichbar wäre.

 

Gefahr für immungeschwächte Menschen: Pathogene Keime auf Spülschwämmen gefunden

Selbst unter den Mikrobiologen sorgte manche Erkenntnis für Erstaunen, denn beispielsweise zehn der häufigsten gefundenen Bakterienarten sind der sogenannten Risikogruppe 2 zuzuordnen. Darunter versteht man all jene Mikroben, die pathogen, also krankheitserregend, sind. Die Bakterien kommen normal in der Umwelt aber auch auf der menschlichen Haut vor. In der Regel kann ein gesunder Körper die Eindringlinge abwehren. Bei immungeschwächten Personen wie Krebskranken oder betagten Senioren können pathogene Keime jedoch zu Infektionen führen. Dazu zählen beispielsweise Acinetobacter johnsonii und Chryseobacterium hominis, die häufig in den Spülschwämmen gefunden wurden.

Für den manchmal übelriechenden Gestank von Spülschwämmen machen die Wissenschaftler das Bakterium Moraxella osoloensis verantwortlich. Diese ebenfalls nachgewiesenen Mikroben produzieren übelriechende Stoffe. Eine wirklich gute Nachricht haben die Mikrobiologen aus Gießen und Furtwangen auch: Sie fanden in den Spülschwämmen kaum Durchfallerreger oder Fäkalbakterien.

 

Finger weg von in der Waschmaschine gereinigten Spülschwämmen

Dennoch warnen die Forscher ausdrücklich vor dem Rat, Spülschwämme heiß zu reinigen. Sie sollten besser weggeschmissen werden, denn in recycelten Schwämmen fanden sich deutlich mehr kritische Bakterien. Das Waschen des Spülschwammes in der Waschmaschine bzw. der Mikrowelle vermag kurzzeitig die Anzahl der Bakterien zu reduzieren. Die pathogenen Keime setzen sich jedoch vermehrt durch, da sie aufgrund ihrer höheren Stresstoleranz die Reinigung eher überleben.

Fachmänner und Fachfrauen für Küchenhygiene empfehlen generell, das alte Reinigungsutensil jede Woche gegen einen neuen Spülschwamm auszutauschen. Insbesondere Haushalte, in denen Menschen mit einem geschwächten Immunsystem ein- und ausgehen, sollten sich diese Empfehlung zu Herzen nehmen und auf das heiße Auswaschen des Spülschwammes zwecks Wiederverwendung verzichten. Der Spareffekt auf den Geldbeutel ist minimal, denn auch für das Auskochen müssen Wasser und Energie aufgewendet werden. Wer jedoch an der Gesundheit spart, spart definitiv an der falschen Stelle!

 

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