Babys und Kleinkinder alleine spielen

Wichtig für die Entwicklung: Lassen Sie Ihr Kind ruhig auch mal alleine spielen

Kinder brauchen für ihre Entwicklung das gemeinsame Spiel mit den Eltern, das steht außer Frage. Spielen ist dabei aber ein sehr dehnbarer Begriff: Im Grunde geht es um die gemeinsam verbrachte Zeit und die Aufmerksamkeit von Mama oder Papa. Es heißt also nicht zwangsläufig Bauklötze stapeln, sondern Sie können mit Ihrem Kind auch Blumen pflanzen, kuscheln oder am Baggersee toben.

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Spielen ist enorm wichtig für die Entwicklung von Babys und Kindern. Im Spiel entdecken sie Fähigkeiten und machen eigene Erfahrungen. Mama und Papa sind wichtig. Doch müssen sie nicht jeder Spielaufforderung nachkommen. Kinder und Babys dürfen sich ruhig auch mal alleine beschäftigen.

 

Die Waage halten zwischen „Über-Mutti“ und Vernachlässigung

Aber muss man denn immer zur Verfügung stehen? Nein, denn Eltern sind keine Alleinunterhalter, und kein Kind muss ständig unterhalten werden. Im Gegenteil, Kinder können und sollen sich auch alleine beschäftigen, um selbst Ideen zu entwickeln und im eigenen Tempo Neues zu entdecken oder Fähigkeiten auszuprobieren. Das gilt sogar schon für kleine Babys. Sie brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn Sie Ihr Baby – im angemessenen Rahmen – sich selbst überlassen, während Sie kochen oder aufräumen.

Wie in jeder Beziehung kommt es immer auf das richtige Verhältnis zwischen kümmern und machen lassen an. Und selbstverständlich lässt sich das richtige Verhältnis nicht in Minuten oder Stunden angeben, sondern ist bei jedem Kind und bei allen Eltern unterschiedlich.

 

Auch Babys brauchen Zeit, sich allein zu beschäftigen – in Maßen

Schon wenige Monate alte Babys können sich vorübergehend alleine beschäftigen, und „es ist wichtig, dass Kinder Zeit für sich haben“, so Sabina Pauen, Professorin für Entwicklungspsychologie an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Alleine spielen heißt dabei aber nicht alleine sein! Babys kommen weder alleine zurecht, noch können sie alleine bleiben. Auch ein Ablegen auf einer Decke im Kinderzimmer umgeben von Rasseln und Beißringen ist mit „alleine spielen“ sicher nicht gemeint. Wir sprechen von kurzen Momenten, in denen das Baby mit seinen eigenen Händchen oder Füßchen spielt, mit den Blicken ein Mobile verfolgt oder Geräuschen und Bewegungen nachblickt, während Sie sich im selben Raum befinden. Das mag für Erwachsene wenig spannend klingen, ist aber ein wichtiger Schritt in der Wahrnehmung des eigenen Körpers und der Umgebung.

 

Babys Zeit lassen, ihr Interesse selbst auf etwas zu richten

Für Prof. Pauen ist es wichtig, dass Babys genug Zeit haben, selbst in ihrer Umgebung interessante Dinge zu entdecken. Nicht ständig muss ihnen ein Quietschtier direkt vor die Nase gehalten werden, viel sinnvoller ist es, wenige Spielsachen in der Reichweite des Babys zu positionieren und zu beobachten, welches es sich selbst nimmt. Kinder, die in der frühen Kindheit keine Zeit hatten, ihr Interesse selbst auf etwas zu richten, würden auch später noch erwarten, dass ihnen Angebote gemacht werden und sich schneller langweilen, so die Psychologin. Bei zu viel Input werde im Gehirn eine Erfahrung gleich durch die nächste „überschrieben“, und der einzige Lerneffekt bestehe darin, sich ständig neue Reize zu suchen, die jedoch nicht ausreichend verarbeitet werden.

 

Nicht zu viel Beschäftigung, aber auch nicht zu wenig

Die Waage zwischen zu viel und zu wenig Ansprache und Beschäftigung zu finden, ist nicht immer einfach, aber gehen Sie doch einmal von sich selbst aus: Ständiges Einmischen nervt, mit seinen Problemen allein gelassen zu werden, macht traurig. Genauso empfindet das Ihr Kind. Ist es gerade mit etwas beschäftigt, möchte es nicht gestört werden und ständig Vorschläge bekommen, was es anders oder außerdem noch tun könnte. Dazu gehört auch, dass Sie nicht bei jeder Unwillensäußerung sofort aufspringen müssen – vielleicht ist der unerreichbare Teddy gerade der Anreiz nach vorne zu robben oder der Stolz darauf, dass man den Turm dann doch allein gebaut hat, umso größer. Erst wenn der Unmut lauter wird oder Sie merken, dass der Turm auf diese Weise immer wieder einstürzen wird, können Sie abhelfen oder einen vorsichtigen Tipp geben.

 

Gemeinsames Spiel mit Nützlichem verbinden

Zeit ist relativ und für Kinder ganz besonders. Manchmal werden Sie staunen, dass Ihr dreijähriger nach einer halben Stunde immer noch über seiner Eisenbahn hockt, aber meistens sind die Allein-Spiel-Phasen kürzer. Zwischendurch ist Abwechslung gefragt, und ein „Papa, guck mal“ ertönt bestimmt auch das eine oder andere Mal. Abwechslung bedeutet jedoch nicht, dass Sie dann unbedingt die Lokführermütze aufsetzen müssen, sondern oft geht es andersherum: Zwei- bis Dreijährige haben meist viel Spaß an Imitationsspielen. Das heißt, sie möchte machen, was Mama oder Papa machen. Geben Sie Ihnen einfach auch einen Lappen, wenn Sie gerade am Saubermachen sind, lassen Sie sie das Gemüse waschen, wenn sie kochen, das Besteck in die Schublade räumen oder die Socken sortieren: So können Sie Ihre Hausarbeit erledigen, Ihr Kind ist stolz darauf, zu helfen und zu zeigen, was es schon alles kann – und nebenbei verbringen Sie wertvolle Zeit miteinander.

 

 

Gibt es Tricks, damit Kinder sich besser allein beschäftigen?

Manchen Kindern fällt es sehr viel schwerer als anderen, alleine zu spielen, und manche brauchen mehr Input, weil sie Reize schneller verarbeiten. Aber mit ein paar kleinen Tricks, können Sie sich ein wenig freie Zeit verschaffen und Ihr Kind animieren, sich vorübergehend selbst zu beschäftigen

  • Kinder mögen es, wenn andere Personen mit im Raum sind. Lassen Sie es doch einfach in der Küche mit Kochlöffeln und Tupperdosen spielen oder im Schlafzimmer seine Kuscheltiere ins Bett bringen, während Sie kochen oder Wäsche sortieren. Für längere Zeit allein im Kinderzimmer spielen tun die meisten Kinder erst im Vorschul- oder gar Grundschulalter.
  • Reagieren Sie auf ein „Mama, weißt du …“ oder ein „Papa, komm mal“. Setzen Sie sich zwischendurch ruhig dazu, aber machen Sie nicht immer mit. Bekunden Sie Ihr Interesse, aber machen Sie deutlich, dass Sie gerade etwas anderes tun und Ihr Kind jetzt alleine spielen
  • Überlegen Sie mit Ihrem Kind gemeinsam, was es alleine tun könnte, oder fangen Sie mit ihm ein Spiel an, das es alleine fortsetzen
  • Treffen Sie Vereinbarungen, die für beide Seiten passen: „Noch drei Runden Bahn fahren, dann muss ich Essen machen und du spielst allein weiter“ oder „Ich darf in Ruhe meinen Kaffee austrinken, und dann malen wir zusammen“. Angaben wie „in 20 Minuten habe ich Zeit für dich“ sind für kleine Kinder wenig hilfreich, aber zum Beispiel mit einer Sanduhr, „dreimal umdrehen“, lässt sich ein Zeitfenster abstecken.

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