Ausflugstipp: Volksfest Weimarer Zwiebelmarkt

Immer am zweiten Wochenende im Oktober: Der Zwiebelmarkt in Weimar ruft

Weimar gilt zu Recht als „Kulturhauptstadt“ Thüringens. Das ganze Jahr dreht sich hier alles um die Weimarer Klassik, um Goethe, Schiller oder Herder. Auch am Bauhaus kommt niemand vorbei. Das ganze Jahr? Falsch! Am zweiten Wochenende im Oktober ist nichts mehr so wie immer. Es existiert kein Faust mehr, die Ode an die Freude wird umgedichtet und die klaren Formen des Bauhauses interessieren niemand, denn wirklich alles dreht sich nur um eines: die Zwiebel. Die allgemeine Diagnose lautet höchstes „Zwiebelmarktfieber“.

© Dr. Bernd Gross (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Dem waschechten Thüringer genügt ein Blick auf ein Bild mit Zwiebelzöpfen und er weiß sofort, was los ist: Es ist Weimarer Zwiebelmarkt. Dann dreht sich in Weimar alles um das Herbstgemüse. Ein Muss für Besucher: die Verkostung des Zwiebelkuchens. Als Souvenir und Mitbringsel von diesem Volksfest mit dem ganz besonderen Flair bietet sich ein Zwiebelzopf genauso an wie die kleine Zwiebelfigur „Zwiebelinchen“ oder das Porzellan mit Zwiebelmuster.

 

In den Landesarchiven findet sich die erstmalige urkundliche Erwähnung des Weimarer Zwiebelmarkts, der im Dialekt auch „Zippelmarkt“ genannt wird, für das Jahr 1653. Seit dieser Zeit feiert Weimar das gesunde Herbstgemüse, das die Bauern des Weimarer Landes und des Thüringer Beckens rund um Erfurt auf ihren Äckern anbauen. Überliefert ist auch, dass der große Geheimrat Goethe selbst ein riesiger Fan des Weimarer Zwiebelmarktes war und sich das Spektakel nicht entgehen ließ.

 

Zwiebelzöpfe und Zwiebelkuchen soweit das Auge reicht

An diesem Wochenende macht der Zwiebelkuchen der Thüringer Rostbratwurst als Nationalgericht Konkurrenz. Die herzhafte Hefeteigspezialität gilt als kulinarisches Muss auf dem Weimarer Zwiebelmarkt. Der Zwiebelkuchen ist als deutsch-thüringische Interpretation des französischen Flammkuchens bzw. der Quiche Lorrain wirklich der optimale Imbiss für alle Zwiebelmarktfans, denen der Magen knurrt. Dazu passt hervorragend ein Glas Federweißer oder ein kühles Bier der Thüringer Brauereien.

Auch Souvenir-technisch kommt man zum Zwiebelmarkt an der Zwiebel natürlich nicht vorbei. An vielen der Marktstände gibt es die kunstvollen Zwiebelzöpfe zu kaufen: Ob groß, ob klein, ob einfarbig mit roten oder einfarbig mit weißen Zwiebeln oder zweifarbig mit roten und weißen Zwiebeln, ob mit Blumenschmuck oder ohne, … der Vielfalt sind fast keine Grenzen gesetzt, sodass garantiert jeder Besucher eine passenden Schmuck fürs Haus findet.

Doch neben den Zwiebelzopfständen bieten viele Händler aus der Region ihre Waren an. Wer es traditionell und praktisch mag, wird bei den Porzellanwaren und Töpfern fündig. Hier wird vor allem das Geschirr mit dem traditionellen Zwiebelmuster angeboten. Es wird in Kahla bzw. in Triptis gefertigt. Beide Produktionsstätten liegen nicht weit von Weimar entfernt. Das traditionell Dekor in Blau-Weiß stellt stilisierte Blumen wie Chrysanthemen, Lotosblüten und Früchte wie Granatapfel und Melonen dar.

 

Buntes Markttreiben für Groß und Klein

Der Weimarer Zwiebelmarkt zählt neben dem Rudolstädter Vogelschießen zu den beliebtesten Volkfesten in Thüringen. In der ganzen Stadt werden Bühnen aufgebaut. Den ganzen Tag über gibt es Livemusik. Abends spielen bekannte Künstler wie z. B. die aus Weimar stammende Sängerin Ute Freudenberg (Jugendliebe). Viele Gaukler mischen sich unter die Gäste und unterhalten das Publikum mit kleinen Einlagen. Die gesamte Altstadt wird zur Partymeile. Höhepunkt des Weimarer Zwiebelmarktes ist die Wahl der Zwiebelmarktkönigin.

Familien sollten unbedingt auf dem Kinderzwiebelfest hinter dem „mon ami“ vorbeischauen. Dort bringen Puppenspieler, Clowns und Akrobaten Kinderaugen zum Leuchten. Das Feen-Theater begeistert die Kleinsten. Jungen und Mädchen können beim Kinderzwiebelfest natürlich auch ihr eigenes Zwiebelinchen basteln. Diese kleinen, lustigen Zwiebelpuppen sind ein tolles Mitbringsel vom Weimarer Zwiebelmarkt.

 

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmittel empfehlenswert

Im Normalfall ist Weimar eine Kleinstadt mit ca. 65.000 Einwohnern. An den drei Markttagen werden strömen 300.000 Besucher in die Stadt. Entsprechend eng wird es da natürlich. Die Parkplätze in der Stadt sind knapp. Wer mit dem Auto anreist, sollte daher die von der Stadt außerhalb angebotenen Park & Ride-Parkplätze nutzen und sich vom Shuttle-Transfer zum Zwiebelmarkt fahren lassen. Sowohl von Erfurt als auch von Jena aus starten Sonderbusse und Sonderzüge nach Weimar, um die Besucher zum Zwiebelmarkt zu bringen.