Ausflugstipp: Volksfest Sim-Jü in Werne

Eine der besten Straßenkirmessen in Deutschland gibt es an der Lippe

Die Stadt Werne in Landkreis Unna liegt im Dreieck Hagen, Münster und Dortmund und damit mitten im Herzen Nordrhein-Westfalens. Sie feiert Sim-Jü. Damit ist keine chinesische Hühnersuppe oder ein neuer Jahrgangswein gemeint, sondern ein Volksfest im Stile einer Stadtkirmes. Die Langform lautet eigentlich Simon-Juda-Markt. Sim-Jü schmückt sich mit dem Titel „größtes und ältestes Volksfest an der Lippe“.

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Darf bei keinem Volksfest fehlen und ist daher auch bei Sim-Jü, dem Simon-Juda-Markt in Werne, anzutreffen: Ein Stand mit Lebkuchenherzen. Die bunten Leckereien mit „Zuneigungsbekenntnis“ gehören zu einer Kirmes einfach dazu genauso wie Riesenrad, Kettenkarussell, Geisterbahn und Losbude.

 

Die Verleihung des Marktrechts durch den Bischof begründet die Sim-Jü-Tradition in Werne

Der Simon-Juda-Markt kann auf eine über 600-jährige Tradition zurückblicken. Laut alten Quellen gewährte der Bischof Adolf von Münster im Jahre 1362 der Grenzfeste Werne das Recht, immer am 28. Oktober, dem Namenstag der Heiligen Simon und Judas, einen freien Markt abzuhalten. Im Wortlaut heißt es sogar: „[…] die Kirmes, die da zu sein pflegt zu Simon und Juda-Messe […]“. Historiker vermuten daher, dass der Markt schon vorher existierte und mit der Verleihung des Marktrechtes nur eine offizielle Bestätigung erfolgte. Von daher kann es gut möglich sein, dass Sim-Jü noch ein ganzes Stück älter ist. Der Münster Bischof hob die für den Wochenmarkt üblichen Restriktionen auf, sodass Kaufleute, Handwerker und Bauern aus nah und fern Waren anbieten und Handel betreiben konnten. Der Markt zog bald darauf Spielleute und Gaukler an. Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde dem Krammarkt auch noch ein Viehmarkt angegliedert.

 

Sim-Jü ist eine nostalgische Mischung aus Straßenkirmes und Jahrmarkt

Heute dauert Sim-Jü vier Tage. Der vierte Sonntag im Oktober ist der große Eckpunkt, den sich die Bürger von Werne rot im Kalender anstreichen. Denn dann dreht sich von Samstag bis Dienstag alles um Sim-Jü. Dem bunten Jahrmarkttrubel kann sich niemand entziehen. Am Samstag um 14.00 Uhr bricht in Werne die fünfte Jahreszeit an. Als gutsichtbares Zeichen hisst der Bürgermeister die sogenannte Freifahne. Bis dahin müssen die rund 250 Schausteller ihre Buden und Fahrgeschäfte einsatzbereit haben.

Am Montag-Abend steigt gegen 21.00 Uhr ein großes Feuerwerk in den Himmel über der Stadt auf. Bis heute findet der „Kram- und Viehmarkt“ am Dienstag statt. Zu den Geschäften der Innenstadt gesellen sich dann über 200 Händler, die alles, was das Herz begehrt anbieten: von Töpfen, Geschirr und Pfannen über Honig und regionale Spezialitäten bis hin zur Tischwäsche oder neuen Hausschuhen kann so manches Schnäppchen erstanden werden.

Das Volksfest zieht jedes Jahr rund 400.000 Besucher an. Auf den Plätzen der Innenstadt steppt der Bär. Dann weht der Duft von gebrannten Mandeln, Popcorn und Zuckerwatte durch die Straßen und Gassen der Stadt und vermischt sich mit den Aromen von Bratwurst, Pilzpfanne oder Langos. Die Fahrgeschäfte bieten eine bunte Mischung aus Hightech und Nostalgie für Groß und Klein.

 

Sim-Jü und der gute Zweck

An Sim-Jü startet der Lions-Club traditionell den Verkauf seines Adventskalenders. Die Einnahmen kommen wohltätigen Projekten zu Gute. Und noch eine Tradition wird gern gepflegt. Die Werner Allstar-Kickers messen beim Fußballspiel ihre Kräfte mit der Schausteller-Elf. Das Fußball-Ereignis ist unter dem Namen Sim-Jü-Kick stattbekannt und zieht am Freitag viele Fußballfans an. Die Einnahmen aus dem Sim-Jü-Fußballspiel werden ebenfalls gespendet.