Ausflugstipp: Volksfest Pützchens Markt in Bonn

Die große Bonner Kirmes

Seit dem Mittelalter findet der Pützchens Markt im heute zu Bonn gehörenden Stadtteil Pützchen-Bechlinghoven statt. Stets am zweiten Wochenende im September wird auf dem Rummelplatz ausgelassen gefeiert. Der Pützchens Markt ist sicherlich nicht das größte Volksfest im Rheinland. Dafür kann man sich allerdings mit dem Titel „umsatzstärkster 5-Tage-Markt in Deutschland“ schmücken. 2014 strömten über 1,3 Millionen Besucher nach Bonn.

© Der Sascha (Eigenes Werk) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 oder CC BY-SA 2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Eine Vielzahl unterschiedlichster Fahrgeschäfte locken Rummelfans nach Bonn auf den Pützchens Markt. Vom Ursprung einer mittelalterlichen Wallfahrt ist heute nicht mehr viel zu spüren. Das Volksfest hat sich zum Kirmes-Klassiker gewandelt.

 

Wallfahrt zum Adelheidis Brunnen lässt Pluutenmarkt entstehen

Entstanden ist der Pützchens Markt aus der Tradition, eine Wallfahrt zum Adelheidis-Brunnen zu machen. Von der Äbtissin Adelheid von Vilich wird die Legende erzählt, dass sie ihren Äbtissinnenstab in den Boden stieß und aus dem Loch eine Quelle entsprang. Von dieser Quelle hat der Bonner Stadtteil seinen Namen, denn „Pütz“ oder „Pützchen“ bedeutet nichts anderes als Quelle. Da sich Adelheid von Vilich als weise Frau auch der Armen und Kranken annahm, strömten bald nach ihrem Tod Pilger zu ihrem Grab und der Quelle. Sie baten um Beistand und Wunder. Laut den Überlieferungen wurden ihre Bitten erhört, denn es sollen zahlreiche Wunder geschehen sein. Adelheid von Vilich wurde schließlich heiliggesprochen.

Auf der Adelheidis-Brunnen-Wallfahrt mussten die Pilger natürlich verpflegt werden. Wirtsleute, Kaufleute und Gaukler witterten gute Geschäfte und veranstalteten einen Markt. Dieser Markt wurde 1367 erstmals urkundlich erwähnt. Zunächst erfolgte der Handel mit ganz praktischen Dingen wie alten Kleidern und Haushaltwaren. Das trug dem Markt den Namen Pluuttenmarkt ein, denn das rheinische Wort „Pluute“ bedeutet so viel wie „alte Kleider“. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Krammarkt zu einem Jahrmarkt mit Kirmes-Charakter.

 

Bonn weiß zu feiern: Fünf Tage Rummelsause

Heute werden Anfang September die großen Fahrgeschäfte wie Autoscooter, Karussell oder Geisterbahn auf den Wiesen am Rand von Pützchen aufgebaut, denn dort ist genügend Platz. Die kleinen Fahrgeschäfte, Buden, Bierstände und Imbissbuden ziehen sich entlang des historischen Ortskerns. Die Marktstraße ist in den fünf Tagen fest in Schaustellerhand. Wurde der Pluutenmarkt im Mittelalter immer rund um die Kirche St. Adelheid abgehalten, so befindet sich heute sein Standort auf den Marktwiesen. Wer über den Pluutenmarkt schlendert, läuft gleichzeitig über den Fußballplatz. Zum Glück haben während der Pützchens Markt-Zeit alle Einwohner nur den Kirmesspaß im Kopf, sodass niemand daran denkt, dass das Runde ins Eckige muss.

Der Rummel beginnt immer freitags um 15:00 Uhr mit dem Fassanstich durch den Bürgermeister. Er endet am Dienstagabend um 22.00 Uhr mit einem großen Knall – nämlich dem Abschlussfeuerwerk. Am Montagvormittag dürfen Heim- und Waisenkinder sowie Menschen mit Behinderungen und ihre Begleiter das Festgelände stürmen. Sie werden von den Schaustellern zu kostenlosen Fahrten eingeladen.

 

Die Bahn spendiert sogar ganzjährig einen eigenen Haltpunkt Pützchens Markt

Einmalig für ein deutsches Volksfest ist der Haltepunkt Pützchens Markt an der Bahnstrecke Bonn-Beuel-Hangelar. Hier halten nicht nur zu Marktzeiten, sondern das ganze Jahr über die Züge der Rhein-Sieg-Eisenbahn. Eine bessere Werbung kann sich der Pützchens Markt in Bonn wohl kaum wünschen.