Ausflugstipp: Volksfest Libori in Paderborn

Paderborn feiert seinen Schutzpatron

In Paderborn bricht die Fünfte Jahreszeit Ende Juli an. Dann ist Libori – eines der größten und ältesten Volksfeste in Deutschland. Für neun Tage steht die nordrhein-westfälische Großstadt Paderborn Kopf und begeht ein deutschlandweit einzigartiges Fest.

© StefanTsingtauer (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Die Libori-Prozession mit dem goldenen Reliquienschrein wird auf dem Paderborner Rathausplatz empfangen. Die Prozession durch die Stadt säumen viele Menschen und zeigen so auch ihre  Verbundenheit mit der Stadt und ihrem Schutzpatron. Neben all der religiösen Ernsthaftigkeit kommt beim Libori in Paderborn der weltliche Spaß nicht zu kurz. Die große Kirmes-Partymeile ist rund um den Liboriberg zu finden.

 

Der Name Libori geht auf den Heiligen Liborius von Le Mans zurück. Sein kirchlicher Namenstag ist der 23. Juli. Das Kirchen- und Volksfest zu Ehren des Schutzpatrons der Stadt beginnt demnach am ersten Samstag nach dem 23. Juli und dauert neun Tage. Fällt der 23. Juli auf einen Samstag, so starten die Feierlichkeiten direkt an diesem Tag. Fällt der 23. Juli auf einen Sonntag, so wartet man nicht erst den nächsten Samstag ab, sondern legt den Beginn des Festes auf den 22. Juli.

Der Heilige Liborius lebte im vierten oder fünften Jahrhundert. Er soll 47 Jahre lang der Bischof von Le Mans gewesen sein. Ihm wird eine enge Freundschaft mit dem Heiligen Martin von Tours nachgesagt. Nach dem Tod sollen am Liborius Grab zahlreiche Heilungswunder geschehen sein, die ihn letztlich in den Status eines Heiligen erhoben.

 

Der Brückenbauer Europas und die Paderborner

Die Wurzeln des Libori-Festes reichen bis in das Jahr 836 zurück. Das Libori-Volksfest ist damit sogar noch älter als der Bremer Freimarkt.

Im frühen Mittelalter gab es einen Heiligenkult und es war üblich, die Reliquien großer Märtyrer und berühmter Heiliger feierlich von einem Ort zum anderen zu übertragen. Die geweihten Überreste des Heiligen Liborius wurden von Frankreich in die Bischofstadt Paderborn gebracht. Dafür brach eine Gruppe Geistlicher von Paderborn nach Le Mans auf. Den Quellen zufolge verließen am 28. April 836 die Gebeine Le Mans und trafen am 28. Mai, just zu den Pfingstfeierlichkeiten, in Paderborn ein. Nach ihrer beschwerlichen Reise wurden die Paderborner Geistlichen zusammen mit der Heiligenreliquie von der einheimischen Bevölkerung mit großer Begeisterung und Anteilnahme empfangen. Der Legende nach soll ein Pfau dem Zug den Weg von Frankreich über Chartres und Paris bis nach Paderborn gewiesen haben. Durch die Überführung der Reliquien gilt der Heilige Liborius als einer der „Brückenbauer Europas.“

Das Libori-Fest wurde im Gedenken an die Reliquientranslation ab dem 9. Jahrhundert jedes Jahr in Paderborn als Kirchfest begangen. Später kam die sogenannte Libori-Kirmes noch dazu. Sie lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen und geht auf den Magdalenenmarkt zurück. Für diesen findet sich die erste urkundliche Erwähnung für das Jahr 1521.

 

Zwischen Kirchenfest und weltlichem Kirmesspaß

Die kirchlichen Feierlichkeiten erreichen am ersten Libori-Samstag ihren Höhepunkt. Dann wird die Erhebung und Aussetzung des goldenen Schreins, der die Reliquien des Heiligen Liborius beherbergt, im Dom zelebriert. Kirchliche Verbände und Orden sowie die Paderborner Schützen begleiten die Prozession durch die Stadt. Bis heute führt ein großer Pfauenwedel die Prozession an. Er erinnert an die Legende vom Pfau und greift das Wappentier des heiligen Liborius auf.

Während der Feierlichkeiten ist der Schrein im Altarbereich des Domes aufgestellt. Die Gläubigen können hier beten und um Beistand bitten.

Die erneute Beisetzung des Schreins in der Krypta erfolgt am darauffolgenden Dienstag. Während der Pontifikalvesper zur Aussetzung und der Festandacht zur Beisetzung des Schreins spielen Bläser den sogenannten Libori-Tusch. Das Musikstück wird mit Orgelklängen umrahmt und kündigt für alle gut hörbar die Gegenwart des Heiligen an.

Das heutige Libori-Fest ist eine bunte Mischung aus kirchlichen und weltlichen Feiern. Sie prägen den besonderen Charm des Volksfestes. Auf dem Liboriberg sorgt eine 800 Meter lange Kirmesmeile für den typischen Kirmesspaß. Der sogenannte Pottmarkt wird auf dem Dom- und Marktplatz abgehalten. Hier bieten Händler Gebrauchswaren und Lebensmittel an. Auf dem Rathausplatz wird der Bierbrunnen aufgebaut. Es handelt sich dabei um ein überdimensioniertes, hölzernes Bierfass, aus dem der begehrte Gerstensaft gezapft wird. Auf der Plaza Europa werden internationale Gaumenfreuden angeboten. Genießer können hier auf Schlemmer-Weltreise gehen – angefangen von der Currywurst bis hin zum Kaviar. Während des Libori gibt es überall in der Stadt Konzerte, Straßenmusiker spielen und Kleinkünstler treten auf. Den weltlichen Abschluss bildet am Sonntagabend das große Höhenfeuerwerk, das über dem Paderquellgebiet gezündet wird.

Herbstlibori: Weil’s so schön ist, gleich nochmal

Ende Oktober feiert Paderborn übrigens noch einmal – nämlich den Herbstlibori, der auch Kleinlibori genannt wird. Die kostbare Reliquie wurde im Dreißigjährigen Krieg von Christian von Braunschweig geraubt. Die Rückkehr der Gebeine nach Kriegsende nehmen die Paderborner zum Anlass, um am Wochenende nach dem 25. Oktober bzw. am Wochenende des 25. Oktobers selbst, eine kleinere Variante des großen Libori zu feiern.