Ausflugstipp: Volksfest Gäubodenfest in Straubing

Trends fürs Oktoberfest werden hier gesetzt

Die Straubinger nennen ihr Volksfest kurz und prägnant Gäubodenfest, obwohl es im Veranstaltungskalender der Stadt mit vollen Namen als Gäubodenvolksfest angekündigt wird. Der Name bezieht sich auf die niederbayerische Region „Gäuboden“, die sich von Wörth an der Donau bis nach Künzing entlang der Donau und den Ausläufern des Bayerischen Waldes erstreckt. Straubing liegt genau in der Mitte und bildet damit das Zentrum. In einigen Quellen findet sich für den Gäuboden auch die Bezeichnung Dungau.

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Das Gäubodenfest entstand aus einem landwirtschaftlichen Vereinsfest. Der regionale Charakter und die damit verbundene Ursprünglichkeit konnte bis heute bewahrt werden. Das dokumentiert allein schon die Erntekrone am Eingang. Und dennoch setzt das Straubinger Volksfest oft Trends für die „Mutter aller Volksfeste“, die später beim Oktoberfest sogar die Münchner und internationale Gäste begeistern.

 

Traditionell startet das Straubinger Volksfest immer am Freitag vor dem zweiten Samstag im August. Für die Dauer von elf Tagen steht die niederbayerische Stadt dann Kopf. Am Montagabend schließt ein großes Höhenfeuerwerk die Veranstaltung ab. Parallel zum Volskfest findet die Ostbayernschau statt. Die Verbraucherausstellung zieht allein 450.000 Besucher an, die sich einen Abstecher auf das Gäubodenfest natürlich nicht entgehen lassen. Mit rund einer Million Besuchern jährlich zählt das Gäubodenvolksfest zu den größten Volksfesten in Bayern.

 

Bis heute tief verwurzelt in der Tradition

Die Wurzeln des Gäubodenvolksfestes lassen sich gut zurückverfolgen. 1812 erließ der bayerische König Maximilian I. Joseph ein Dekret, dass bestimmte, im Unterdonaukreis ein landwirtschaftliches Vereinsfest abzuhalten. Es gab bei der ersten Auflage Zuchtschauen und Pferderennen. Aber auch über neue, landwirtschaftliche Anbaumethoden wurde informiert. Zunächst fand das Vereinsfest nicht jedes Jahr statt.

Ab 1819 wechselten sich Straubing mit Passau als Ausrichter ab. Es kamen erste, typische Jahrmarktelemente hinzu. So sorgten Kegelbahnen, Losbuden und Schießstände für die Zerstreuung des Publikums. Der Vergnügungspark erfreute sich im Laufe der Zeit immer größerer Beliebtheit. Auch die Tradition des Festumzuges sowie des Abschlussfeuerwerks wurden damals „erfunden“. Ab 1837 teilten sich Landshut, Passau und Straubing die Veranstaltung. Das Angebot erweiterte sich fortlaufend. Nun durften auch Kunsthandwerker ausstellen und die Erzeuger wie Bauern und Handwerker ihre Produkte präsentieren. Das erweiterte Angebot brauchte Platz, sodass die Festwiese beständig vergrößert werden musste, um die Besuchermassen aufnehmen zu können.

Seit 1898 wurde das Volksfest im Zweijahresrhythmus ausschließlich in Straubing ausgerichtet. Erst ab 1962 findet das Gäubodenfest jährlich statt.

 

Großer Festumzug zur Eröffnung

Das Volksfest startet ganz traditionell am Freitag vor dem zweiten Samstag im August mit einem großen Festumzug. Der sogenannte Auszug beginnt im Süden der Stadt, führt durch die Straubinger Innenstadt und endet am Festplatz „Am Hagen“. Über 3000 Teilnehmer und mehr als 90 Gruppen nehmen daran teil. Die bayerische Tradition wird hier noch hochgehalten, denn Trachtenvereine, Spielmannszüge, Blaskapellen und Brauer mit ihren großen Kutschen laufen mit. Die Komplettsperrung der Straubinger Innenstadt während des Auszuges führt regelmäßig zu einem mittelschweren Verkehrschaos. Alte Gäubodenfest-Hasen empfehlen daher Neulingen eine rechtzeitige Anreise, wenn sie die Eröffnung des Volksfestes erleben wollen.

Anders als bei anderen Volksfesten gibt es in Straubing keinen offiziellen Anstich. Das Volksfest startet mit dem Auszug aus der Stadt und dem Einzug auf den Festplatz am Freitag. Im Anschluss erfolgt die Bierprobe. Die offizielle Eröffnung des Volksfestes findet am Samstagvormittag gemeinsam mit der Eröffnung der Ostbayernschau statt.

 

Das Gäubodenfest bietet eine tolle Mischung aus modern und nostalgisch

Da das Volksfest bereits im August startet, sind viele Schausteller mit großen Fahrgeschäften auf dem Festplatz anzutreffen. Sie ziehen dann oftmals direkt weiter zu den anderen großen Volksfesten wie Münchner Oktoberfest oder Cannstatter Wasen. Neben dem „Hightech-Rummel“ gibt es auf dem Festplatz seit 2012 den sogenannten „historischen Bereich“. Hier sind vor allem Fahrgeschäfte und Attraktionen aus längst vergangenen Zeiten zu finden. Für Familien mit Kindern lässt sich dort das alte, ursprüngliche Jahrmarktflair erleben.

Eine Reihe von weiteren Veranstaltungen flankiert das Gäubodenfest. So laden beispielsweise die Festzeltkapellen zum großen Platzkonzert ein. Auf der Trabrennbahn Straubing darf bei spannenden Pferderennen mitgefiebert werden. Besonders beliebt bei Groß und Klein ist die Lampionfahrt auf der Donau. Sie endet mit einem Niederfeuerwerk.

 

Trendsetter Niederbayern

Das Gäubodenfest ist ein Trendsetter. Was kurze Zeit später an der Isar als typische Münchner Oktoberfest-Erfindung verkauft wird, hat ihren Ursprung eigentlich an der Donau. Wer also in München „hip“ und „up-to-date“ sein will, besucht das Gäubodenvolksfest und hat dann genügend Zeit, sich auf die Wiesn vorzubereiten.