Ausflugstipp: Volksfest Dom-Markt in Hamburg

Egal ob Sonnenschein oder Schietwetter: Zum Dom steht Hamburg Kopf

Auch wenn es der Name vermuten lässt und die Institution Kirche maßgeblich beteiligt war, beim Hamburger Dom handelt es sich nicht zwangsläufig um ein kirchliches Bauwerk, sondern um ein Volksfest. Korrekterweise heißt die Veranstaltung in der Langform auch Dom-Markt in Hamburg. Das Event zieht heute Millionen von Besuchern an. Die Hanseaten feiern außerdem ähnlich wie beim Send in Münster gleich dreimal im Jahr den Dom:

  • Winterdom, den eigentlichen Dom-Markt: von Anfang November bis Anfang Dezember
  • Frühlingsdom („Frühlingsfest“): von Mitte März bis Mitte April
  • Sommerdom („Hummelfest): von Ende Juli bis Ende August
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Wenn auf dem Heiligengeistfeld groß die drei großen Buchstaben D-O-M leuchten, wissen die Hamburger: Es ist wieder Zeit für Nervenkitzel, denn Achterbahn und Free-Fall-Tower locken. Es ist aber auch wieder Zeit für Nostalgisches, denn alte Kinderkarussells und Wurfbuden bringen Kinderaugen zum Strahlen. Das Volksfest Dom-Markt ist Garant für Spiel, Spaß und Action.

 

Da Rummel und Fahrgeschäfte immer einen ganzen Monat lang aufgebaut bleiben, schmückt sich das Hamburger Volksfest mit dem Titel „längstes Volksfest Deutschlands“. Bei dem Titel „größtes Volksfest im Norden“ kabbelt man sich gerne mit der direkten Konkurrenz. Ob nun Bremer Freimarkt oder Hamburger Dom größer sind, ist ein Streitfall für Experten. Es kommt darauf an, ob man Tagesbesucherzahlen oder die Besucherzahlen insgesamt in der Wertung einbezieht.

 

Erzürnte Kirchgänger zwangen Bischof zum Sinneswandel

Die Wurzeln des Dom-Marktes reichen bis ins 11. Jahrhundert zurück. Damals stand am Speersort der alte Mariendom. In ihm suchten Händler und Handwerker der benachbarten Märkte Zuflucht vor Wind und Wetter. Zu ihnen gesellten sich auch die Gaukler und Quacksalber. Während draußen Sturm und Regen tobten, ging das Feilschen und Unterhalten unterm Kirchendach natürlich munter weiter. Dies gefiel dem Erzbischof Burchard Grelle gar nicht. Er erteilte daraufhin 1334 den Schaustellern Hausverbot. Wer sich nicht an das Verbot hielt, dem drohte als Strafe der Kirchenbann. Das hartherzige Vorgehen erzürnte die Kirchgänger. Für Hamburger Verhältnisse kam das einer kleinen Revolution gleich. Nachdem der Schuss nach hinten losging, ordnete der Erzbischof 1337 an, dass ab sofort wieder Händler im Dom ausdrücklich erwünscht seien. Die Regelung erlaubte es, den Markt bei „Hamburger Schietwetter“ in den Dom zu verlegen. Und da im Spätherbst fast immer schlechtes Wetter herrscht, musste der Markt oft in den Mariendom ausweichen. Wegen Baufälligkeit des Doms und der umgebenden Häuser wurde das Viertel 1804 abgerissen.

Nachdem sie nach fast 500 Jahren das Dach über dem Kopf verloren hatten, waren die Händler und Schausteller gezwungen, durch die Hamburger Stadtteile zu ziehen und sich auf die einzelnen Marktplätze der Stadt zu verteilen: noch heute bekannte Standorte sind der Gänsemarkt, der Pferdemarkt, der Zeughausmarkt oder der Großneumarkt. Erst 1893 erhielten sie von der Stadt einen neuen Platz zugeteilt. Ab dem Jahr wurde der Dom-Markt in Hamburg auf dem Heiligengeistfeld abgehalten, das heute eingebettet zwischen Karolinenviertel, Altona-Altstadt und der Neustadt in direkter Nachbarschaft zur Reeperbahn und dem Millerntor-Stadion des FC St. Pauli liegt.

 

Hamburger Dom ist heute ein Volksfest der Superlative

Heute erstreckt sich das Festgelände auf über 160.000 Quadratmeter. Dazu gibt es 2.500 Quadratmeter Sonderveranstaltungsfläche. Während des Winterdoms entsteht hier beispielsweise eine 1.000 Quadratmeter große überdachte Eisfläche. Während des Sommerdoms lockt an dieser Stelle der „Internationale Markt“ mit all seinen Köstlichkeiten.

Rund 260 Schausteller bauen ihre Buden und Fahrgeschäfte für den Dom auf. Allein 60 Imbissbetriebe und ein Dutzend Schankbetriebe sorgen dafür, dass niemand hungrig und durstig nach Hause gehen muss. Wen der Appetit auf Süßigkeiten überfällt, kann allein aus dem Angebot von 40 Süßwarengeschäften auswählen. Paradiesische Zustände für Naschkatzen!

Für DOM-Besucher gehört ein Ritt auf der Wilden Maus dazu. Hierbei handelt es sich um ein Fahrgeschäft, das auf 375 Metern Länge eine sehr amüsante Fahrt für Groß und Klein verspricht. Auf einem 14 Meter hohen Hochplateau startend fährt man in kleinen Wagen in harten Serpentinen temporeich nach unten. Bei den schnellen Richtungswechseln, wie sie bei der Flucht der Maus vor der Katze üblich sind, sind gute Nerven gefragt, denn in den Wagen entsteht der Eindruck, als fahren die Insassen über die Gleise hinaus. Eine Fahrt mit der „Wilde Maus“ bildet für Adrenalin-Junkies lediglich das Aufwärmtraining. Auf der Achterbahn „Olympia Looping“ werden sie auf einer Strecke von rund 1,5 Kilometern mit einer Geschwindigkeit von über 80 km/h stellenweise auf bis zu 5,2 G beschleunigt. Da können durchaus die Knie beim Aussteigen die Konsistenz von Wackelpudding annehmen.

 

Feuerwerk zählt zu den beliebtesten Dom-Attraktionen

Der Hamburger Dom bei Nacht ist immer wieder schön anzuschauen. Dass alles reibungslos funktioniert, stellt seit nunmehr fast 80 Jahren die Elektroinstallations-Firma Otto Busch sicher. Ihre Bilanz ist ebenfalls beeindruckend. Im Jahr werden für den Dom in Hamburg rund vier Millionen Kilowatt-Stunden Strom benötigt, damit alle Lichter leuchten und alle Attraktionen fahren. Der Stromverbrauch des Großevents ist vergleichbar mit dem Stromverbrauch einer Kleinstadt. Was relativ wenig Strom verbraucht, sind die elektrischen Zündungen der Feuerwerkskörper für die großen Feuerwerke. Ein kleiner elektrischer Impuls genügt, schon zünden die bunten Raketen und erhellen den Hamburger Nachthimmel. Das Feuerwerk ist ein Highlight während des Dom-Marktes in Hamburg. Es wird jeden Freitag um 22.30 Uhr gezündet.