Ausflugstipp: Volksfest Cannstatter Wasen

Größer – höher – weiter: Stuttgarter Konkurrenz zum Oktoberfest

Die Schwaben sind bekannt als sparsames Völkchen, dass auch mit Emotionen gerne geizt. Als „heißblütig“ gelten die Schwaben eher nicht. Doch wenn es der Schwabe einmal im Jahr so richtig „krachen lassen“ will, dann geht er auf den Cannstatter Wasen. Das 35 Hektar große Festgelände Neckarpark befindet sich im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt. Dieser gibt dem Volksfest seinen Namen. Ende September, immer eine Woche nach dem Auftakt des Münchner Oktoberfestes, feiert die Region hier 16 Tage lang das größte Schaustellerfest Europas. Der Cannstatter Wasen zieht trotz der großen Konkurrenz der Volksfeste jährlich rund vier Millionen Besucher an und zählt damit zu den ganz großen Volksfesten in Deutschland.

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Der Festumzug ist einer der Höhepunkte auf dem Canstatter Wasen. Im Hintergrund leuchtet die markante Fruchtsäule mit dem Himmel um die Wette. Seit nunmehr 200 Jahren trifft sich Jung und Alt aus der Region Stuttgart genau an diesem Punkt, um über den Jahrmarkt zu flanieren und den „Wasen-Wahnsinn“ zu genießen.

 

Auf dem Wasen können Adrenalin-Junkies eine Vielzahl an Fahrgeschäfte ausprobieren. Jahr für Jahr bewerben sich über 1.000 Schaustellerbetriebe bei den Organisatoren um einen Stellplatz. Etwas mehr als 330 Schausteller bekommen die Zusage und können ihre Attraktionen auf dem Wasen aufbauen. Darunter befinden sich natürlich Klassiker wie Riesenrad, Looping-Achterbahn oder Flugkarussell. Daneben gibt es Losbuden, Schießbuden und allerlei Schaugeschäfte. So wird garantiert, dass der Cannstatter Wasen für die ganze Familie ein Highlight ist.

Natürlich kommen auch Leib und Magen nicht zu kurz. In sieben Bierzelten und zwei Weinzelten wird ausgeschenkt. Zu Hochzeiten ist jeder der 30.000 Plätze gefüllt. Wer keine Reservierung hat, bleibt trotzdem nicht hungrig und durstig. Es gibt zusätzlich zahlreiche Biergärten. Auch warten knapp 100 Verkaufsstände sowie ein Kramermarkt mit 60 Marktständen auf die Besucher.

 

Seit fast 200 Jahren verabredet man sich an der Fruchtsäule

Wahrzeichen des Cannstatter Volksfestes ist die 26 Meter hohe Fruchtsäule. Sie trägt auch gern den Beinamen „das blaue Wunder“, denn sie leuchtet auch an trüben Tagen in einem strahlenden Blau. Die Schüssel auf dem Haupt ist mit Früchten, verschiedenen Gemüsesorten und Blumen dekoriert. Dominierte die Fruchtsäule früher den gesamten Platz, wird sie heute von Fahrgeschäften überragt. Der Württembergische Hofbaumeister Nikolaus Friedrich von Thouret entwarf und baute 1818 die erste Fruchtsäule. Sie diente ursprünglich als Start und Ziel für das alljährliche Pferderennen.

Bis heute ist die Fruchtsäule ein beliebter Treffpunkt. Wer sich für den Cannstatter Wasen verabredet, trifft sich einfach am markanten Punkt, um mit dem Bummel über den Rummel zu starten.

 

Volksfest als Konjunkturprogramm gedacht

Der württembergische König Wilhelm I. initiierte das Volksfest als eine Art Konjunkturprogramm, um die Wirtschaft seines Landes nach den napoleonischen Kriegen wieder anzukurbeln. Er plante daher ein landwirtschaftliches Fest mit Preisverleihungen für herausragende Leistungen in der Viehzucht. Bis heute ist an das Cannstatter Volksfest das Landwirtschaftliche Hauptfest angeschlossen. Es findet jedoch nur alle vier Jahr statt. Höhepunkt des Spektakels sollte ein Pferderennen sein. Natürlich musste es auch einen Festumzug geben. Bis heute wird an dieser Tradition festgehalten. Der Festumzug findet immer am ersten Wasen-Sonntag statt.

Am 28. September 1818 war es schließlich soweit: Der erste Cannstatter Wasen fand statt und war gleich ein großer Erfolg. Zeitgenössische Quellen berichten von 30.000 Mitwirkenden und begeisterten Gästen. Zum Vergleich: Stuttgart selbst hatte damals nur rund 40.000 Einwohner. Im Gegensatz zu heute dauerte das erste Volksfest jedoch nur einen Tag, sodass sich die damaligen Besucherzahlen durchaus mit heutigen Tagesbesucherzahlen messen lassen können. Der Cannstatter Wasen startete somit gleich von Null auf Hundert durch.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert wandelte sich das Landwirtschaftsfest langsam zum Vergnügungsfest. Höhepunkt heute ist ein 20-minütiges Musikfeuerwerk am letzten Sonntag. Es beschließt den Cannstatter Wasen. Doch wahre Wasen-Fans wissen: Nach dem Wasen ist vor dem Wasen.