Ausflugstipp: Volksfest Brokser Heiratsmarkt

Große Party zwischen Spaßtrauung und Junggesellenversteigerung

Der Brokser Heiratsmarkt findet Ende August statt. Für fünf Tage steht dann Bruchhausen-Vilsen im Landkreis Diepholz Kopf. An diesen Tagen strömen fast 400.000 Besucher auf das neun Hektar große Festgelände. Die Tradition legt den letzten Markttag fest: Es ist immer der letzte Dienstag im August.

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Der Brokser Heiratsmarkt zählt zu den Volksfesten mit dem ganz besonderen Charme. Hier bahnte sich schon so manche Ehe an und zwei Herzen verließen das Festgelände im Gleichklang. Gelegenheit macht schließlich Liebe. Wer seinen Traummann bzw. seine Traumfrau glaubt gefunden zu haben, kann ihm bzw. ihr in alter Rummelplatz-Tradition einen Luftballon schenken.

 

Die Wurzeln des Volksfestes reichen weit zurück. Experten vermuten, dass der erste Markt bereits vor dem Jahr 1218 abgehalten wurde. Genau geklärt ist dies jedoch nicht, denn die Quellenlage aus dieser Zeit ist sehr dürftig. Die erste, gesicherte urkundliche Erwähnung findet sich für das Jahr 1645, sodass man immerhin auf eine 500-jährige Tradition zurückblicken kann. Insgeheim hoffen die Verantwortlichen darauf, den Bremer Freimarkt vom Thron des Volksfestes mit der längsten Tradition im Norden stoßen zu können.

 

Topf sucht Deckel. Fisch sucht Fahrrad. Salz sucht Suppe.

Ursprünglich war der Brokser Markt unter dem Namen Bartholomäusmarkt weithin bekannt. Es handelte sich um einen Kram- und Viemarkt, auf dem einheimische Produkte aus landwirtschaftlicher und gewerblicher Produktion feilgeboten wurden. Für die Marktzeit waren nicht nur die Händler der Region zugelassen. Auch weitgereiste Kaufleute durften ihre Waren anbieten, sodass selbst Produkte aus dem Ausland ihren Weg nach Norddeutschland fanden.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Ereignis vom reinen Vieh- und Warenmarkt hin zu einer Vergnügungsveranstaltung. Dennoch konnte sich der Brokser Heiratsmarkt einen Teil seiner Seele bewahren. Bis heute ist der traditionelle Vieh- und Pferdemarkt ein wichtiges Ereignis am letzten Markttag. Der Handel mit den unterschiedlichsten Waren zieht auch in der Gegenwart noch immer die Menschenmassen an. Ein Handschlag genügt und der Deal ist besiegelt. Topf, Pferd, Kuh oder Korb wechseln den Besitzer.

Ähnlich wie beim Alter ist auch nicht 100-prozentig genau geklärt, woher der Brokser Heiratsmarkt seinen Namen hat. Jedoch war und ist der Markt ein Großereignis in der Region Mittelweser. Seit Anbeginn strömen aus nah und fern Jung und Alt herbei, um zu schauen, zu feilschen, zu essen, zu trinken und natürlich um sich bei Musik und Tanz zu amüsieren. So mancher Topf fand hier schon seinen Deckel, sodass nicht wenige Ehen auf dem Markt angebahnt wurden. Es ist außerdem Tradition, dass ein bekannter Politiker den Markt eröffnet. Er übernimmt dann den Titel und die Rolle „Heiratsvermittler“.

 

Zwischen Spaßtrauung und Heirats-Bräu ist Party angesagt

Neben der Eröffnung durch den Heiratsvermittler, der Wahl der „Miss Brokser Heiratsmarkt“ und dem „Brautpaar des Jahres“ ist die Junggesellenversteigerung ein Höhepunkt des Volksfestes. Außerdem sollte man im Remmerzelt Obacht geben. Schließlich heißt ein altes Sprichwort: Nomen est omen. Hier wird das Bier „Heirats-Bräu“ ausgeschenkt. Der Braumeister braut den Gerstensaft ausschließlich für den Heiratsmarkt.

Beim Publikum erfreuen sich die Spaßtrauungen großer Beliebtheit. Die Ehe auf Probe können Paare mit allem Drum und Dran – mit Trauspruch, Zylinder, Schleier und Hochzeitsurkunde – eingehen. Der Bund für den Brokser Heiratsmarkt erlischt am letzten Markttag automatisch. Mehr als 100 Paare nutzen jedes Jahr die Gelegenheit.

In den Festzelten ist die Stimmung während der „fünften Jahreszeit“ ausgelassen. Der Frühschoppen im Remmerzelt kann sich fast über den gesamten Tag hinziehen. Im Dillertalzelt geht die Post bei der Schlagerparty ab und im Flamingo wird das Tanzbein geschwungen.