Ausflugstipp: Volksfest Bremer Freimarkt

Freimarkt ist, wenn der Bremer Roland Herz zeigt

Der Bremer Freimarkt wurde erstmals im Jahre 1035 abgehalten. Auf eine über 1000-jährige Tradition kann kaum ein anderes, deutsches Volksfest zurückblicken. Der Freimarkt findet in der Hansestadt Bremen immer im Oktober statt und dauert 17 Tage. Er lässt rund vier Millionen Besucher zur Bürgerwiese, dem großen Festgelände, strömen. Dort können Achterbahn-Fans und Rummel-Junkies die neuesten Attraktionen bei den Fahrgeschäften ausprobieren. Nur auf dem Münchner Oktoberfest oder dem Cannstätter Wasen finden sich noch mehr Schausteller und Fahrgeschäfte als auf dem Bremer Freimarkt. Im Norden ist der Jahrmarkt Kult und Platzhirsch. Stolz schmückt man sich mit dem Beinamen „größtes Volksfest Norddeutschlands“.

© Jürgen Howaldt (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Während der Freimarkt-Zeit gibt es fast in der gesamten Bremer Altstadt Buden, kleine Fahrgeschäfte und mehr. Die abendliche Beleuchtung zaubert in der alten Hansestadt Bremen ein besonderes Flair. Rund um das Rathaus findet der kleine Ableger, der sogenannte Kleine Freimarkt, statt. Die großen Fahrgeschäfte und Festzelte werden auf der Bürgerwiese aufgebaut. Hier steppt während des Jahrmarkts buchstäblich der Bär.

 

Kleiner Bruder mit besonderem Reiz: Der Kleine Freimarkt in der Bremer Altstadt

Die fünfte Jahreszeit beginnt in Bremen mit dem Ausruf: „Ischa Freimaak!“. Damit ist nicht die Karnevalszeit eröffnet, sondern die Bremer Freimarkttage. Dann schmückt sich der Bremer Roland mit dem Freimarktherz. Die ganze Stadt steht Kopf.

Neben dem Haupt-Freimarkt auf der Bürgerweide gibt es noch den Kleinen Freimarkt in der Bremer Innenstadt. Vor historischer Kulisse mit Bremer Rathaus und Bremer Roland versprüht der kleine Bruder seinen ganzen Charme. Der kleine Freimarkt erstreckt sich über den Marktplatz bis hin zum Liebfrauenkirchhof. Kleine Fahr- und Genussgeschäfte finden sich jedoch auf vielen Plätzen der Altstadt. Sie sorgen für nostalgisches Flair. Wer den Freimarkt der vergangenen Jahrhundert erleben möchte, muss über den Mittelaltermarkt bummeln.

 

Mit der vom Kaiser 1035 verliehenen Jahrmarkt-Gerechtigkeit fing alles an

Am 16. Oktober des Jahres 1035 verlieh Kaiser Konrad II. die sogenannte „Jahrmarkt-Gerechtigkeit“ dem Bremer Erzbischof Bezelin. Damit konnte in Bremen zweimal im Jahr ein Jahrmarkt abgehalten werden. Als Zeiten festgelegt waren die Woche vor Pfingsten sowie die Woche vor dem Willehadfest am 8. November. Zum Jahrmarkt galten besondere Regeln, die sonst üblichen Beschränkungen für den Wochenmarkt waren aufgehoben. So durften neben einheimischen Kaufleuten auch Ortsfremde ihre Waren anbieten. Das Monopol der Gilden und Zünfte war für diese Zeit abgeschafft. Aus dieser Tradition heraus erklärt sich auch die Bezeichnung „freier Markt“ bzw. Freimarkt.

Die beiden Zeitpunkte waren übrigens nicht ohne Bedacht gewählt, denn nur zu diesen beiden Kirchenfesten bekamen die Handwerksgesellen halbjährlich ihren Lohn ausgezahlt. Vor allem im Oktober strömten auch viele Bauern in die Stadt: einerseits um Ernteüberschüsse zu verkaufen, andererseits um ihre Wintervorräte zu ergänzen. Das sorgte für gute Geschäfte. So hielt der Rat der Stad Bremen an den Terminen fest, als die Markthoheit im 14. Jahrhundert auf ihn überging.

Bis ins Jahr 1793 musste jeder Kaiser das Jahrmarktsprivileg in regelmäßigen Abständen erneuern. Erst Kaiser Franz II. legte 1793 die Entscheidungsgewalt über den Freimarkt in die Hände des Bremer Senats. Erst ab diesem Zeitpunkt durften die Hanseaten selbst entscheiden, ob sie den Markt abhalten wollen und wann er stattfinden soll.

 

Zwischen Tradition und Moderne: Der Bremer Freimarkt meisterte stets den Wandel

Mehr als 700 Jahre lang war der Bremer Freimarkt in erster Linie ein reiner Warenmarkt – natürlich mit dem üblichen Drumherum wie Gaukler und Musikanten. Doch erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts wandelte er sich zum Vergnügungsfest. Schmalzkuchen, Honigkuchen und Zuckerwatte sowie Drehorgeln oder Hau-den-Lukas zogen als Attraktionen die Menschen an.

Seit 1967 findet am zweiten Freimarktsonntag der große Freimarktumzug statt. Bonschen (Bonbons), kleine Tafeln Schokolade und Früchte fliegen von den Festwagen in die Zuschauermenge. Am Ende der 3,4 Kilometer langen Strecken wartet auf die Teilnehmer die Prämierung der schönsten, ausgefallensten und phantasievollsten Gruppen.

Im gleichen Jahr wie der Festumzug startete noch eine zweite Tradtion: Die Brot-für-die-Welt-Sammlung auf dem Bremer Freimarkt, die von Freiwilligen durchgeführt und von vielen Schaustellern unterstützt wird. Auf dem Volksfest in der Hansestadt kann man gleichzeitig ausgelassen feiern und Gutes tun. Die Bremer beweisen, dass dies kein Widerspruch sein muss.