Ausflugstipp: Volksfest Berch – die Bergkirchweih in Erlangen

Der Berg ruft: Eine Stadt zelebriert geschlossen den größten Biergarten der Welt

Die Bergkirchweih in Erlangen findet jährlich zu Pfingsten in der mittelfränkischen Universitätsstadt statt. Die Erlangener sagen zu dem Volksfest auch „der Berg“ bzw. in Fränkisch heißt es dann einfach „Berch“.

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Während der Bergkirchweih herrscht auf dem Erlangener Burgberg großes Gedränge. Neben den urigen Biergärten, typisch fränkischen Speisen locken auch die vielen Fahrgeschäfte.

 

Der Erlanger Burgberg wird zum Party-Hotspot

Der Name „Bergkirchweih“ weist bereits auf den Ursprung hin. Zum einen offenbart sich der Ort der Feierlichkeiten: Es ist der Erlanger Burgberg. Zum anderen wird auch die Kirchweihe der Altstädter Dreifaltigkeitskirche begannen.

Im Jahr 1755 beschloss der Erlanger Stadtrat den Pfingstmarkt zu verlegen. Bis dahin wurden die Stände in der Altstadt aufgebaut. Von nun an jedoch sollte der Handel ab Pfingstdienstag für drei Tage am Altstädter Schießhaus stattfinden. An Pfingsten veranstalteten dort die Schützen mit dem Vogelschießen ihr Schützenfest.

Die Felsenkeller am Burgberg entwickelten sich schnell zum großen Anziehungspunkt, denn dort war immer ein kühles Bier vorrätig und wurde ausgeschenkt. In den Tiefen des Burgbergs lagerten die ortsansässigen Brauereien bis weit ins 20. Jahrhundert hinein das Bier zum Reifen. In den Gewölben herrschten ideale Bedingungen, da ganzjährig niedrige Temperaturen gewährleistet waren. Im 19. Jahrhundert öffnete außerdem während der Bergkirchweih das anatomische Institut seine Anatomische Sammlung. Die „Schau der Kuriositäten“ diente der Volksbelustigung.

 

Urige Felsenkeller erwarten die Besucher

Das Volksfest beginnt am Donnerstag vor Pfingsten Punkt 17.00 Uhr. Dann eröffnet der Oberbürgermeister mit dem Anstich das Fest und es gibt die Bierprobe. Nach zwölf Tagen endet die Erlangener Bergkirchweih. Das letzte Fass wird symbolisch am Erichkeller begraben. Zum Fassbegräbnis erklingt das Lied „Lilli Marleen“ von Lale Andersen. Für Familien empfiehlt sich der Donnerstag, denn dann ist Familientag auf der Berch.

Das Festgelände zieht sich am Hang des Burgbergs entlang der Erlanger Innenstadt. Rund einen Kilometer weit muss man von Anfang bis Ende laufen. Geschätzte 11.000 Sitzplätze unter alten Linden, Kastanien und Eichen laden die Besucher in Europas größten Biergarten ein. In den Bäumen leuchten bunte Lampions und schaffen so eine ganz besondere, fast heimelige Atmosphäre.

Die Erlangener nutzen die Berch, um alte Freunde und Bekannte wiederzutreffen, zu feiern, gut zu trinken und bestens zu essen. Natürlich werden auch die vielen Fahrgeschäfte ausprobiert. Wer den Mut hat, versucht beispielsweise den Star Flyer – ein sehr hohes Kettenkarussell. Dort denkt man, man flöge hoch über den Dächern der Stadt, tolle Aussichten und Einsichten inklusive. Für das Vergnügen ist jedoch Schwindelfreiheit eine Voraussetzung.

Auch ehemalige Erlangener kommen während der Berg gern zurück nach Mittelfranken. So verzeichnet die Bergkirchweih jedes Jahr rund eine Million Besucher. Das entspricht dem Zehnfachen der Einwohnerzahl Erlangens. Damit erobert sich das Volksfest Platz fünf im Ranking der größten Volksfeste in Bayern – nach dem Münchner Oktoberfest, dem Nürnberger Volksfest, der Fürther Michaeliskirchweih und dem Straubinger Gäubodenfest.

 

Nach der Berch ist vor der Berch

Punkt 23.00 Uhr ist auf dem Berg Ausschankschluss in den Biergärten. Doch damit endet noch lange nicht die große Party. Die Karawane zieht einfach weiter. Vom Burgberg strömt das Partyvolk in die Innenstadt und feiert bei einer der vielen After-Berg-Partys in Kneipen, Bars und Discos einfach weiter. Die letzten „Nachteulen“ kehren erst weit nach Sonnenaufgang nach Hause.

Auch die Erlanger Universität musste auf die Besonderheiten während der Bergkirchweih reagieren. Weil mit übernächtigten und angetrunkenen Studenten reguläre Vorlesungen und Seminare nicht möglich waren, gab es früher die einwöchigen „Bergferien“. Während der „Berg-Zeit“ machte die Universität dicht. Erst 1999 wurden diese Ferien abgeschafft – sehr zum Leidwesen der Studenten. Doch ein Brauch hat bis heute überdauert: Der vorlesungsfreie Dienstag. An diesem Tag in der Pfingstwoche schließen die Lehrstühle und Institute der Universität spätestens ab 14:00 Uhr die Türen ab und gehen mit der Belegschaft geschlossen zur Bergkirchweih. Viele Läden und Betriebe der Stadt übernehmen diese Tradition.