Ausflugstipp: Volksfest Allerheiligenkirmes in Soest

Wo Bullenaugen und Jaegerken längst Kultstatus haben

In Soest findet die Allerheiligenkirmes jedes Jahr Anfang November statt. Dann verwandelt sich Soest für fünf Tage in eine Partymeile par excellence. Das Spektakel lässt die verwinkelte Altstadt mit den vielen, alten Fachwerkhäusern im Lichterglanz erstrahlen. Die Atmosphäre in Soest ist etwas ganz Besonderes. Kirmesfans nutzen für die Beschreibung durchaus das Wort „heimelig“.

© arnie2105 [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

Während der Allerheiligenkirmes in Soest sorgt die Mischung aus Altstadtfest und Rummel für eine ganz besondere, beinahe „heimelige“ Atmosphäre in der Soester Innenstadt. Auf dem Volksfest dürfen keinesfalls die hochprozentigen Kultgetränke Bullenauge und Dudelmann sowie das Kirmes- und Stadtmaskottchen „das Jaegerken“ fehlen.

 

Die Allerheiligenkirmes ist eine Mischung aus Rummel und Altstadtfest, dessen Charme sich einfach niemand entziehen kann. Und so wird es Jahr für Jahr um diese Zeit sehr eng in Soest. Die Hotels sind ausgebucht. Freunde und Bekannte quartieren sich auf den Gästebetten ein. Wer zu spät dran ist, muss mit der Luftmatratze vorliebnehmen.

 

Allerheiligenkirmes in Soest ist längst Kult

Die Allerheiligenkirmes der alten Hansestadt Soest zieht jedes Jahr weit über eine Million Menschen an. Unter der Rubrik „Geheimtipp“ läuft die Veranstaltung also längst nicht mehr. Sie genießt mittlerweile Kultstatus bis weit ins Ruhrgebiet hinein. Rund 400 Schausteller warten auf die Besucher und laden Adrenalinjunkies zu rasanten Fahrten ein: Karussells, Auto-Scooter und Achterbahnen sorgen für Spaß und Action.

Wie es sich für ein Volksfest gehört, kommen auch in Soest Leib und Magen nicht zu kurz. Auf eine Verkostung eines Bullenauges darf kein Kirmesbesucher verzichten. Es handelt sich dabei um einen Edelmokkalikör mit einem Schuss Schlagsahne. In der gesamten Stadt werden so viele kulinarische Köstlichkeiten angeboten, dass am Ende des Besuchs doch der eine oder andere Hosenbund zwickt. Dann muss die Verdauung mit einem Dudelmann, einem Magenbitter, oder einem Honiglikör auf Trab gebracht werden. Kraftfahrer sollten jedoch auf diese hochprozentigen Kultgetränke besser verzichten.

 

Pferdemarkt am Donnerstag erinnert noch heute an die Ursprünge

Höhepunkt der Allerheiligenkirmes ist der Pferdemarkt am Donnerstag. Auf über 50.000 Quadratmetern pulsiert das Leben. Zurück geht das Volksfest auf die Weihe der St. Petri-Kirche, die an Allerheiligen (1. November) des Jahres 1150 geweiht wurde. Das war ein ausgezeichneter Anlass, ein großes Fest zu feiern. In den Jahren darauf nutzen die Soester die Gelegenheit für einen Jahrmarkt. Dieser versprach nicht nur Belustigung und Zerstreuung, sondern auch die Abwicklung von so manch gutem Geschäft. Für die Soester Kaufleute war es also eine Möglichkeit, ihre hervorragenden Kontakte in alle Welt zu nutzen, zu pflegen und auszubauen. Es liegt durchaus im Bereich des Möglichen, dass die Allerheiligenkirmes in Soest tatsächlich auf eine so lange Tradition zurückblicken kann. Jedoch findet sich die schriftliche Ersterwähnung erst für das Jahr 1338. In der Soester Stadtrechnung des besagten Jahres werden nämlich 6 Schilling für die freie Kirmes aufgeführt.

 

Jägerken von Soest: das Maskottchen der Soester Allerheiligenkirmes

Am „Jägerken von Soest“ kommt während der Rummeltage keiner vorbei, denn es handelt sich um die Symbolfigur der Kirmes. Sie geht zurück auf die Figur des Simplicus Simplicissimus. Es handelt sich dabei um die Hauptfigur des Romans „Der abenteuerliche Simplicissimus“. Den Roman verfasste Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen. Er spielt zur Zeit des 30jährigen Krieges spielt und trägt autobiografische Züge. Von Literaturkennern wird das Werk der Gattung „Schelmenroman“ zugeordnet. Der Titelheld ist ein Draufgänger, der in Saus und Braus lebt und erst durch die Heirat und damit die Ehe gezähmt wurde. Noch heute steht das Jägerken von Soest dem Bürgermeister bei der Eröffnung der Allerheiligenkirmes in Soest bei.