Ausflugstipp: Nürnberger Volksfest

Großer Rummel rund um den Dutzendteich

Das Nürnberger Volksfest wird gleich zweimal im Jahr gefeiert: einmal im Frühling und einmal im Herbst. Dann verwandelt sich das Festgelände hinter dem Reichsparteitagsgelände und dem Dutzendteich in eine große Partymeile. Bis zu zwei Millionen große und kleine Rummelfans wollen sich das Volksfest nicht entgehen lassen.

© Moros (Own work) [GFDL or CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Die hohen Fahrgeschäfte bieten beim Nürnberger Volksfest einen tollen Blick auf das berühmte Stadtpanorama mit der alten Kaiserburg. Doch man muss die Muße für diesen Blick haben – bei allem Adrenalin, Geschwindigkeitsrausch und Bauchkribbeln. Schließlich geht es darum beim Nürnberger Volksfest: Eine Mordsgaudi haben und den Alltag hinter sich lassen.

 

Das erste Nürnberger Volksfest fand zu Ehren König Ludwigs I. zu Bayern statt

Das erste Nürnberger Volksfest fand auf der Peterheide in Gleißhammer im Herbst 1826 statt. Es wurde zu Ehren des bayerischen Königs Ludwig I. organisiert. Damit ist er der bayerische „Volkfestkönig“, denn auch das Oktoberfest – die Mutter aller Volksfeste – wurde erstmalig zur Ehrung des Königs und seiner Gemahlin 1810 abgehalten.

Bereits beim ersten Nürnberger Volksfest gab es einen großen Festumzug. Verschiedene Spiele wie Sackhüpfen oder Eierlaufen begeisterten die Menschen. Im Laufe der Jahre zog das Volksfest mehrmals um. Standorte waren unter anderem das Maxfeld, der Plärrer, das Ludwigsfeld, die Deutschherrenwiese oder die Fürther Straße. Erst seit 1953 werden Zelte und Fahrgeschäfte auf dem heutigen Festgelände aufgestellt. Sowohl von Ende August bis Anfang September als auch von Mitte April bis Anfang Mai kann sich hier niemand dem Rummel- und Jahrmarkttreiben entziehen. Im Frühling dauert das Nürnberger Volksfest 16 Tage, im Herbst sogar 17. Obwohl das Festgelände bestens mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist, dient die Große Straße, die ehemalige Aufmarschstraße für das Reichsparteitagsgelände, als Parkplatz für Besucher.

 

Schausteller sorgen immer wieder für Überraschungen und bewahren doch Althergebrachtes

Wenn man ein Volksfest allein nach den olympischen Maßstäben bewertet – höher, weiter, schneller – belegt das Nürnberger Volksfest einen guten Mittelfeldplatz aber keinen Spitzenplatz. Es gibt Rummel und Jahrmärkte mit noch größeren und noch schnelleren Fahrgeschäften. Doch die Schausteller schaffen es in Nürnberg immer wieder, auch große Attraktionen heranzuholen, ohne die fränkische Gemütlichkeit aus den Augen zu verlieren. Sie meistern außerdem jedes Jahr aufs Neue den Spagat zwischen Altbewährtem und Neuem. Legendär ist beispielsweise der Tobbogan. Hier saust man auf einer 103 Jahre hölzernen Rutsche auf Sisalteppichen sitzend rasant von oben nach unten.

Traditionell eröffnet wird das Volksfest mit dem Bieranstich durch den Nürnberger Oberbürgermeister. Besonders beliebt sind eine Reihe von Events nur für Kinder wie beispielsweise die Märchenparade, der Malwettbewerb oder der Luftballonflugwettbewerb. Dann können die kleinen Gäste auf einer Postkarte ihren Namen und ihre Adresse notieren und diese an einen Luftballon binden. Auf ein Zeichen hin steigen die Luftballons in den Himmel. Die Kinder warten gespannt darauf, ob und woher sie Post bekommen.

Bei der „Nacht der 1.000 Lichter“ lassen Tausende an die Besucher verteilte Knicklichter das Festgelände in ganz besonderem Glanz erstrahlen. Am Abend steigt ein Musikfeuerwerk in den Nürnberger Nachthimmel. Doch auch moderne Trends finden sich auf dem Nürnberger Volksfest wieder: Die Familientage an den Mittwochen gehören so selbstverständlich dazu wie die Ladies Night. Beim Geocaching auf dem Festgelände kann man bei der digitalen Schnitzeljagd einen ganz besonderen Schatz heben.

Wem der bunte Trubel zu viel wird, dem sei ein Abstecher in den Nostalgiepark ans Herz gelegt. Dort können Figuren von alten Fahrgeschäften bestaunt werden. Das längst vergangene, ganz besondere Jahrmarkt-Feeling des letzten Jahrhunderts wird hier wieder höchst lebendig.

 

Typisch „Fränkisch“: Ohne Bier und Nürnberger Bratwurst geht nichts

In zwei großen Festzelten geht die Post ab. Zur Livemusik wird auch schon einmal auf den Bänken getanzt. Wer zwischendurch eine Stärkung benötigt, muss unbedingt das fränkische Nationalgericht ausprobieren: Schäuferle – ein Schweinsbraten mit krosser Kruste, zudem meist Knödel gereicht werden. Auch an den berühmten Nürnberger Rostbratwürsten kommt niemand auf dem Nürnberger Volksfest vorbei. Eine Original Kolbs Laugenbrez’n muss eigentlich auch sein.