Aufbewahrung des Nabelschnurblutes

Eigene Vorsorge vs. Spende

Kurz nach der Geburt besteht eine einmalige Chance: Das wertvolle Nabelschnurblut ist viel zu schade zum Entsorgen im Klinikmüll. Es lässt sich für die Zukunft aufbewahren und kann so später im Fall der Fälle einmal dem eigenen Kind, einem engen Verwandten, z. B. einem Geschwisterchen, oder einem nicht verwandten Menschen helfen. Im Kälteschlaf altern die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut nicht und stehen problemlos für mehrere Jahrzehnte schnell zur Verfügung, um mit ihrer Hilfe Krankheiten zu therapieren. Die Aufbewahrung des Nabelschnurblutes ist eine Form der Gesundheitsvorsorge, die auf Weitsicht setzt und an das Potenzial der Medizin der Zukunft glaubt.

© kelin / pixabay.com

So klein und hilflos Neugeborene auch sind. Sie können direkt nach der Geburt zum Stammzellenspender und damit zum Lebensretter werden. Bereits während der Schwangerschaft sollten sich Eltern darüber informieren, welche Möglichkeiten der Nabelschnurblut-Aufbewahrung es gibt und eine Entscheidung treffen. Die einmalige Chance zur schmerzfreien und risikolosen Stammzellenentnahme gibt es nur direkt nach der Geburt.

 

Im Moment können Eltern zwischen drei Formen bei der Nabelschnurblut-Aufbewahrung wählen:

 

Aufbewahrung des Nabelschnurblutes: Einlagerung bei einer privaten Nabelschnurblutbank

Bei der Einlagerung bei einer privaten Nabelschnurblutbank gehört das Nabelschnurblut dem Kind selbst. Das bedeutet: Im Ernstfall stehen die Stammzellen dem eigenen Kind zur Verfügung oder einem sehr nahen Angehörigen.

Die Entnahme des Nabelschnurblutes für die Eigenvorsorge ist nach Aussagen der Website nabelschnurblut.de in ca. 95 % aller deutschen Geburtskliniken möglich.

Bei der privaten Einlagerung tragen die Eltern die kompletten Kosten. Je nach Anbieter, ausgewähltem Produkt und Dauer der Laufzeit kann so ein mittlerer, vierstelliger Betrag zusammenkommen.

Bei dieser Form der Nabelschnurblut-Aufbewahrung werden alle nach einer eingehenden Untersuchung geeigneten Nabelschnurblutpräparate konserviert, indem sie in Kryotanks eingefroren werden.

 

Aufbewahrung des Nabelschnurblutes: Spende an eine öffentliche Nabelschnurbank

Bei der Spende an eine öffentliche Nabelschnurblutbank gehört das gespendete Nabelschnurblut der Nabelschnurblutbank. Sie bestimmt am Ende darüber, wer das Nabelschnurblut im Bedarfsfall erhält. Weder die Eltern noch das Kind haben Einfluss auf diese Entscheidung. Theoretisch kann es vorkommen, dass das Kind die eigenen Stammzellen benötigen würde, diese aber nicht mehr vorhanden sind, da bereits jemand anderes die Stammzellenspende bekommen hat.

Mit der Nabelschnurblutspende hilft man direkt fremden Menschen, die krank sind und auf eine Stammzellentransplantation warten. Bis sich nämlich ein geeigneter Stammzellenspender findet, ist meist eine nervenaufwändige, kostenintensive und langandauernde Suche erforderlich, da nur in ca. einem Drittel aller Fälle ein Spender innerhalb der Familie gefunden werden kann. Für Patienten mit Immundefekten oder Blutbildungsstörungen wie Leukämie ist die Stammzellenspende oft die einzige Hoffnung auf ein gesundes, neues Leben.

Die Nabelschnurblut-Entnahme zur Spende an eine öffentliche Nabelschnurblutbank ist allerdings in weniger als der Hälfte der Geburtskliniken möglich.

Entschließen sich die Eltern zur öffentlichen Spende des Nabelschnurblutes entstehen ihnen keinerlei Kosten. Alle Kosten werden refinanziert – entweder durch Spendengelder und/oder durch die von den Krankenkassen gezahlte Aufwandsentschädigung bei Abgabe der Stammzellpräparate.

Viele Eltern empfinden es allerdings als nachteilig, dass bei einer Spende weit weniger als die Hälfte der Spenden tatsächlich aufbewahrt werden. Die Gründe dafür sind vielfältig: Oftmals erfüllt das Nabelschnurblut nicht die geforderte Anzahl an benötigten Stammzellen oder es gibt nicht genügend Platz in den Kryotanks der Blutbank. Ob das gespendete Nabelschnurblut wirklich eingelagert wird oder nicht, erfahren die Eltern nicht immer.

 

Aufbewahrung des Nabelschnurblutes: Eigenvorsorge mit der Option zur öffentlichen Spende

Diese Möglichkeit der Nabelschnurblut-Aufbewahrung gibt es im Moment nur bei der privaten Nabelschnurblutbank Vita 34. Wie bei der privaten Einlagerung gehört auch hier das Nabelschnurblut zunächst ausschließlich dem Kind. Haben sich die Eltern für die Spende-Option entschieden, werden die anonymisierten Daten des Stammzellpräparates an ein internationales Stammzellregister weitergeleitet. Dort können Patienten und Ärzte auf der ganzen Welt rund um die Uhr suchen. Werden sie fündig, fragen Sie beim Stammzellregister an. Dieses leitet die Anfrage an die Nabelschnurblutbank weiter. Sie informiert die Eltern über das Anliegen. Am Ende entscheiden die Eltern, ob sie das Stammzelldepot ihres Kindes für die Spende freigeben oder nicht. Sie werden dabei natürlich von den Experten der Nabelschnurblutbank in allen Fragen ausführlich beraten.

Vita 34 bietet mit VitaPlusSpende und VitaMeins&Deins zwei verschiedene Spende-Optionen an. Den eben beschriebenen Ablauf bildet die Option „VitaPlusSpende“ ab. Bei VitaMeins&Deins dagegen muss genügend Nabelschnurblut entnommen werden, sodass es in zwei ausreichend große Portionen aufgeteilt und eingefroren werden kann. Ein Stammzelldepot gehört hier nach wie vor dem Kind. Das andere Stammzelldepot kann kranken Menschen zur Verfügung gestellt werden.

Bei der Kombination Eigenvorsorge mit der Option zur öffentlichen Spende kommen die Nabelschnurblut-Stammzellen zunächst dem eigenen Kind oder einem sehr nahen Verwandten zu gute. Wird das Depot zur Spende freigegeben, kann es auch für einen fremden Menschen die Hoffnung auf ein neues, gesundes Leben sein.

Da die Kombination an eine private Einlagerung gekoppelt ist, ist die Entnahme des Nabelschnurblutes in ca. 95 % der deutschen Geburtskliniken möglich.

Ähnlich wie bei der privaten Aufbewahrung fallen auch hier Kosten für die Eltern an. Sie sind ebenfalls abhängig vom gewählten Produkt sowie der Dauer der Einlagerung. Bei der Option „VitaPlusSpende“ bekommen die Eltern im Fall der Spende die bis dahin angefallenen Unkosten samt Zinsen von der Nabelschnurblutbank zurückerstattet. Bei der Option „VitaMeins&Deins“ übernimmt die Nabelschnurblutbank die Kosten für das gespendete, zweite Stammzelldepot komplett. Es fallen hier nur die Kosten für das eigene, privat eingelagerte Nabelschnurblutpräparat an.

Die Redaktion von familien-gesundheit.de hofft, Ihnen mit dieser Übersicht zur Aufbewahrung des Nabelschnurblutes weitergeholfen zu haben. Sollten Fragen offen geblieben sein: Bitte schreiben Sie uns. Wir werden recherchieren und entsprechende Ergänzungen vornehmen.

Disclaimer
familien-gesundheit.de stellt ausschließlich Beiträge für Informationszwecke bereit. Die Hinweise und Informationen sind nicht zur Selbstbehandlung geeignet. Sie ersetzen kein persönliches Gespräch, keine professionelle Beratung, keine individuelle Untersuchung oder fachkundige Behandlung durch ausgebildete und anerkannte, im Gesundheitswesen tätigte Experten wie z. B. Ärzte, Apotheker, Hebammen oder Physiotherapeuten.