Die Atkins-Diät: Abnehmen nach dem Low-Carb-Prinzip

So verschwinden die Pfunde mit Fett und Protein

Fleisch und Wurst in Massen, dafür Brot und Kartoffeln weglassen. Die starke Reduktion von Kohlenhydraten, während Fett und Eiweiß im Prinzip uneingeschränkt konsumiert werden dürfen, nennt sich Low-Carb und ist wohl einer der beliebtesten Diät-Trends unserer Zeit. Ihren Ursprung hatte diese Abnehmstrategie bereits in den Sechzigern und wurde nur etwa ein Jahrzehnt später vom US-amerikanischen Kardiologen Dr. Robert Atkins zu einem komplexen und umfangreichen Diätkonzept ausgearbeitet. Von ihm hat die Atkins-Diät, die wohl bekannteste Low-Carb-Diät der Welt, auch ihren Namen. Doch ist eine so radikale Ernährungsumstellung wirklich gesund?

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Bei der Atkins-Diät dürfen Fisch und Fleisch satt auf den Teller. Weniger gern gesehen werden Obst und Gemüse, denn auch sie enthalten Kohlenhydrate, die bei diesem Diätkonzept absolut verpönt sind. So werden Kartoffeln und selbst Vollkornnudeln oder Vollkornbrot vom Speiseplan verbannt. Um einem gefährlichen Vitamin- und Mineralstoffmangel vorzubeugen, sind Nahrungsergänzungsmittel nötig.

 

Die Ketose: Das Hauptziel der Atkins-Diät

Laut Atkins ist der übermäßige Kohlenhydratkonsum verantwortlich für die meisten Zivilisationskrankheiten, darunter auch Übergewicht. Daher sollte weitgehend bis ganz auf Brot, Nudeln und Kartoffeln verzichtet werden und die Energiezufuhr des Körpers hauptsächlich durch Eiweiß und Fett erfolgen. Auch einige Obst- und Gemüsearten, die reich an Kohlenhydraten sind, sollten vom Speiseplan gestrichen und der daraus resultierende Vitamin- und Mineralstoffmangel durch Supplemente verhindert werden.

Die Atkins-Diät macht sich den menschlichen Stoffwechsel zunutze. Da Kohlenhydrate entweder Energie liefern oder bei Überschuss in Körperfett umgewandelt werden, soll das Weglassen oder Reduzieren dieser unseren Organismus dazu zwingen, auf die Fettverwertung umzuschalten. Dabei werden Fettsäuren von der Leber zu sogenannten Ketonkörpern verarbeitet, die dann als Glucoseersatz dienen. Dieser Zustand wird als Ketose bezeichnet.

 

Die vier Phasen der Atkins-Diät: Von der Eingewöhnung bis zur Erhaltungsdiät

Die Atkins-Diät gliedert sich in vier verschiedene Phasen, die jeweils eine unterschiedlich drastische Ernährungsumstellung und Funktion beinhalten:

Die Einführungsphase dauert ungefähr zwei Wochen und geht mit einem extremen Verzicht auf Kohlenhydrate einher, damit die Ketose des Körpers eingeleitet wird. Um dies zu erreichen, dürfen Sie pro Tag nicht mehr als höchstens 20 Gramm Kohlenhydrate zu sich nehmen, hauptsächlich durch Salat und Gemüse, um genügend Ballaststoffe zu erhalten. Brot, Kartoffeln, Nudeln und Reis sind hingegen tabu.

In der nächsten Phase findet dann die eigentliche Reduktionsdiät statt. Nun wird primär auf Ihr Gewicht geachtet. Pro Woche darf die Kohlenhydratzufuhr jetzt um etwa fünf Gramm erhöht werden, bis Sie nicht mehr abnehmen. Sobald dieser Fall eintritt, wird die Kohlenhydratmenge wieder reduziert, bis Sie Ihr Wunschgewicht erreicht haben. So „ermitteln“ Sie, welche Menge an Kohlenhydraten Ihr Körper wirklich benötigt, bei den meisten Menschen liegt diese zwischen 40 und 60 Gramm.

In der dritten Phase, der sogenannten Vor-Erhaltungsdiät, soll die Gewichtsabnahme nun zum Stillstand kommen. Pro Woche wird die Kohlenhydratzufuhr hier um zehn Gramm erhöht und durch 20 bis 30 Gramm an Nahrungsmitteln mit einer hohen Nährstoffdichte ergänzt, bis Ihr Gewicht schließlich stabil bleibt.

Zuletzt folgt dann die Erhaltungsphase. Die eigentliche Diät ist nun beendet und Sie wissen genau, wie Ihre Ernährung aussehen muss, damit Sie Ihr Wunschgewicht halten können. Diese Ernährung sollen Sie dann möglichst Ihr ganzes Leben beibehalten. Der Fokus liegt weiterhin auf Obst, Gemüse, Fleisch und gesunden Fetten. Kartoffeln, Nudeln und Ähnliches sollte nur noch in sehr geringen Maßen konsumiert werden.

 

Die Waage lügt nicht: Diese Erfolge verspricht die Atkins-Diät

So radikal die Ernährungsumstellung bei der Atkins-Diät auch ist, so radikal sind ebenfalls Ihre Abnehmerfolge. Unser Körper kann überschüssiges Eiweiß nicht speichern, daher wird es einfach wieder ausgeschieden. Der Hauptenergielieferant für unseren Körper ist sowohl das aufgenommene Fett als auch die eigenen Reserven. Kein Wunder, dass so die Pfunde purzeln. Außerdem sorgt der hohe Fett- und Eiweißanteil in Ihren Mahlzeiten dafür, dass Sie sich lange Zeit gesättigt fühlen: Fressattacken gibt es bei der Atkins-Diät also in der Regel nicht. Fans dieser und vieler anderer Low-Carb-Konzepte berichten außerdem häufig über eine gesteigerte Leistungsfähigkeit, Ausdauer und ebenfalls ein niedrigeres Schlafbedürfnis. Die eiweißhaltige Ernährung bietet außerdem einen weiteren Vorteil. Mit ausreichend Sport (auch wenn es die Atkins-Diät nicht explizit vorsieht) können Sie besser Muskeln aufbauen und somit den Grundumsatz Ihres Körpers aufrecht erhalten oder sogar steigern. Dies begünstigt das Abnehmen zusätzlich.

 

Eine radikale Diät birgt immer auch radikale Nachteile

So schön die schnellen Abnehmerfolge auch klingen: Die Atkins-Diät ist nicht umsonst die von Ärzten und Diätologen am stärksten kritisierte Diät überhaupt. So können durch die recht einseitige Ernährung trotz Supplemente schnell Mangelerscheinungen, vor allem von Vitamin B6 und Folsäure, mit schweren Gesundheitsfolgen auftreten. Die sehr fetthaltige Ernährung begünstigt Fettstoffwechselstörungen und Gicht. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nimmt ebenfalls zu. Zudem ist ein übermäßiger Konsum von rotem Fleisch krebsfördernd. Der hohe Proteinanteil belastet außerdem die Nieren stark. Auch Ballaststoffe fehlen bei Atkins, Verstopfung ist die Folge. Zusätzlich kann der Mangel an Kohlenhyraten zu einem Stimmungstief, im schlimmsten Fall sogar zu Depressionen führen.

Weniger gefährlich, aber dennoch extrem lästig: Durch die Bildung von Ketonkörpern entsteht als Nebenprodukt Aceton, was starken Mundgeruch verursacht.

 

Low-Carb nach Atkins: Das Abnehmkonzept ist schon lange nicht mehr up-to-date

Zwar feierte die Atkins-Diät in den siebziger und achziger Jahren große Erfolge, hauptsächlich wegen des hohen Gewichtsverlustes. Heute gilt sie jedoch als extrem überholt und wird vor allem wegen ihrer Einseitigkeit abgelehnt. Selbst eine Low-Carb-Diät kann weitaus abwechslungsreicher und ausgewogener gestaltet werden als das Modell des US-amerikanischen Kardiologen. Letzten Endes ist auch die Atkins-Diät eine Extremform der Ernährungsumstellung und weder gesund noch nachhaltig. Und auch, wenn das recht einfache Prinzip für den Gewichtsverlust vielleicht verlockend sein kann, ist von einer längerfristigen Ausübung des Diätkonzeptes nicht zuletzt wegen der gesundheitlichen Risiken abzuraten.