Aspirin gegen Karies – Anregung der Zahn-Stammzellen

Ist die herkömmliche Kariestherapie bald Geschichte?

Bislang wird Aspirin eingenommen, um damit gegen Kopfschmerzen vorzugehen oder die Durchblutung zu verbessern. Doch nun könnte der Wirkstoff auch bei Karies zum Einsatz kommen. Heißt es in Zukunft bei Löchern im Zahn: Bohrer adé, her mit den Pillen?!

Irische Wissenschaftler fanden kürzlich heraus, dass Aspirin den Zahnverfall bei Karies umkehren könnte. Damit bräuchte der Zahnarzt weniger zu bohren und Füllungen zu machen. Es ließe sich sehr wahrscheinlich eine deutliche Kostenreduzierung im Gesundheitssystem realisieren.

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Damit Kariesbakterien keine Chance haben, sollten nach jeder Mahlzeit die Zähne geputzt werden. doch trotz aller Prophylaxe lässt sich Karies und damit Löcher in den Zähnen nicht vermeiden. Die Folge: Zahnschmerzen. In Zukunft könnte Aspirin eingesetzt werden, um die Stammellen im Zahn anzuregen, neue Zahnsubstanz zu bilden. Hilfe zur Selbsthilfe für den Zahn. Die Stammzellen reparieren ihn. Eine Zahnfüllung mit Amalgam oder Keramik ist nicht erforderlich.

 

Aspirin im Kampf gegen Karius und Baktus

Die Forscher der Queen’s University in Belfast (Irland) stellten fest, dass die Einnahme von Aspirin Karius und Baktus Einhalt gebietet, indem die Prozesse des Zahnverfalls umgekehrt werden. Zahnverfall ist weltweit die häufigste Zahnerkrankung und unter Namen wie Karies oder Zahnfäule gefürchtet.

Bei Karies wird die Zahnstruktur zerstört. Die Bakterien fressen den Zahn an. Es bilden sich Hohlräume und es kommt zur Entzündung des Zahnnervs. Betroffene gehen wegen starker Zahnschmerzen durch die Hölle. Um Karies zu bekämpfen, kann der Zahnarzt nur die befallenen Stellen wegbohren und die Hohlräume mit synthetischen Materialien verfüllen. Häufig sind mehrere Behandlungen erforderlich, denn das synthetische Material ähnelt nicht der natürlichen Zahnstruktur. Es nutzt sich ab und muss daher häufiger im Leben ersetzt werden.

Wissenschaftler auf der ganzen Welt arbeiten an einer natürlichen, neuen Zahnfüllung bzw. wollen Verfahren entdecken, wie sich die Zähne von ganz alleine selbst reparieren, sodass der Zahnarzt bei Karies quasi nur noch Hilfe zur Selbsthilfe leistet. Die Forscher aus Belfast sind dieser Vision nun ein ganzes Stück weit nähergekommen, denn sie sehen im Wirkstoff Aspirin eine Alternative. Mittels Aspirin lässt sich ein Zahn mit einem Karies-Defekt wiederherstellen. Die guten Nachrichten für alle, die Angst vorm Zahnarztbohrer haben, präsentierten die Forscher auf der jährlichen Konferenz der British Society for Oral and Dental Research in Plymouth.

 

Wie funktioniert die Aspirin-Therapie bei Zahnverfall

Aspirin verbessert die Funktion der Stammzellen, die sich in den Zähnen befinden. Sie können neue Zahnsubstanz produzieren und so die durch die Zahnfäule entstandenen Schäden reparieren – quasi Selbstreparatur der durch Karies verlorenen Zahnstruktur.

Um auf die hilfreiche Spur des Aspirins zu kommen, kombinierten die Forscher Genomik und Bioinformatik miteinander. So konnten sie Medikamente mit bestimmten Eigenschaften identifizieren. In diesem Fall wurde ein Medikament gesucht, dass die vorhandenen Zahn-Stammzellen stimuliert und so die Reparatur der Zahnsubstanz anstößt.

 

Aspirin aktiviert die Stammzellen im Zahn

Aspirin erfüllte alle Anforderungen: Als die Wissenschaftler eine niedrige Aspirin-Dosis verabreichten, konnten sie bei den Zahn-Stammzellen sowohl eine Erhöhung der Mineralisierung als auch eine größere Genexpression feststellen. Beides sorgt dafür, dass verstärkt Dentin, also Zahnsubstanz, gebildet wird. Dentin macht einen Großteil der harten Zahnstruktur aus, die bei Karies nachweislich verloren geht.

Mit den jetzt entdeckten Eigenschaften empfiehlt sich Aspirin als Medikament bei Zahnverfall und könnte die Zahnmedizin revolutionieren, denn dank der entzündungshemmenden und schmerzlindernden Wirkung wäre Aspirin auch bei Zahnnervenentzündungen das Mittel der Wahl. Hier haben sich die Kariesbakterien bereits bis zum Nerv durchgefressen und verursachen akute Zahnschmerzen. Aspirin lindert diese, bekämpft Entzündungen und fördert parallel dazu die natürliche Zahnreparatur. Da ist wie ein „Perfect-Match“ – eine Win-Win-Win-Situation.

 

Aspirin hat bereits die Zulassungshürden genommen

Die Forschungsergebnisse aus Irland stimmen Experten durchaus euphorisch, denn Aspirin ist bereits auf dem Markt. Es muss also nicht mehr alle Stufen der aufwändigen Zulassung durchlaufen. So böte es schnelle Hilfe, damit sich Zähne besser selbst reparieren können.

Damit die Aspirin-Therapie bei Karies schnellstmöglich beim Patienten auf dem Zahnarztstuhl ankommt, wollen die Belfaster Forscher nur ein geeignetes Abgabesystem entwickeln und dann die Arzneimittelwirksamkeit in ersten klinischen Studien testen. Ihre Hoffnung ist, dass langfristig mehr Zähne erhalten werden können und nicht gezogen werden müssen.

 

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