Alternativen zum Schottergarten & Kiesgarten

Bunte Stauden statt trostloses Grau

Schottergärten und Kiesgärten sind in Mode gekommen. Sie werden als pflegeleicht beworben, denn durch die großen mit Steinen abgedeckten Flächen soll weniger Arbeit anfallen. Doch ist das wirklich so? Und wie sehen pflegeleichte Alternativen zum Schottergarten aus, die Tieren und Pflanzen mehr Lebensraum bieten? Die Redaktion von familien-gesundheit.de hat für Sie nachgeforscht.

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Schotter- bzw. Kiesgärten sehen auf den ersten Blick ordentlich, sauber und aufgeräumt aus. Für deutsche Vorgärten sind dies offensichtlich wichtige Eigenschaften, wie sonst ließe sich erklären, dass dieses Gartenkonzept in den letzten Jahren immer beliebter wurde? Aus ökologischer Sicht sind die sterilen Gärten jedoch ein Graus.

 

Angebliche Vorteile der Schotter- und Kiesgärten

Ein Schottergarten ist auf den ersten Blick etwas Feines. Hier hat schließlich alles seine Ordnung. Die Beetflächen sind großzügig mit Steinen abgedeckt, die sogar farblich unterschiedlich sortiert sein können. Das lenkt das Auge und schafft Blickachsen. Zwischen den Steinflächen sind oftmals Formgehölze eingesetzt, die hier richtig schön zur Geltung kommen, weil andere Pflanzen fehlen, die ihnen die Schau stehlen könnten. Dazu kommen hier und da noch ein paar Gräser, die die strengen Strukturen durchbrechen und so die Optik des Schottergartens auflockern. Die Reduktion auf das Wesentliche versprüht fernöstlichen Charme. Viele Menschen meinen, dass Schottergärten ein wenig an chinesische bzw. japanische Gärten erinnern würden und vom Zen-Buddhismus inspiriert wären.

Gartencenter und Gartenarchitekten „ködern“ die Schottergärten-Besitzer mit einem schlagkräftigen Argument: Kiesgärten sollen pflegeleicht sein, denn es muss hier kein Rasen gemäht werden. Ebenso entfällt die Bestellung der Beete. Da mit Kies und Steinen „gemulcht“ wird, soll auch das lästige Unkraut-Zupfen der Vergangenheit angehören. Die Formgehölze müssen nur einmal im Jahr geschnitten werden, genauso wie die Gräser. Hier erfolgt der Rückschnitt in der Regel im zeitigen Frühjahr. Ein Schottergarten scheint daher auf den ersten Blick ein idealer Garten für faule Haus- und Grundstücksbesitzer zu sein. Doch ein genaueres Hinschauen, ob das Konzept „Schottergarten“ hält, was es verspricht, lohnt sich!

 

Anlegen eines Schottergartens

Beim Anlegen und dem Aufbau eines Kiesgartens wird normalerweise im ersten Schritt der ursprüngliche Mutterboden entweder komplett abgetragen oder zumindest von Unkraut, Pflanzenresten und Wurzeln befreit. Danach erfolgt die Modellierung des Geländes. Viele Flächen werden plan gewalzt. Auf den vorbereiteten Untergrund kommt nun ein Vlies. Es soll einerseits dafür sorgen, dass sich Kies und Erde nicht miteinander vermischen können, um so unschöne Verfärbungen bei den Steinen zu vermeiden. Außerdem soll das Vlies verhindern, das noch im Boden schlummernde Unkräuter durchwachsen und Arbeit verursachen. Der Kies wird dann mehrere Zentimeter hoch aufgefüllt. Für die Pflanzinseln werden in der Regel separate Lösungen geschaffen. Meist werden dafür spezielle Pflanzkübel in die Erde eingelassen. Damit sollen die groben Arbeiten erledigt sein. Der Hausbesitzer kann sich nun zurücklehnen und seinen „Steingarten“ genießen.

 

Unkräuter wachsen auch, wo sonst nichts wächst

Mal abgesehen davon, dass ein Schottergarten überhaupt nichts mit dem artenreichen Refugium eines echten Steingartens zu tun hat, ist das angeblich gewonnene Freizeitplus ein Trugschluss. Der Wind macht vor dem Schottergarten nicht halt und weht Samen auch hierhin. Diese angeflogenen Samen werden anfangen zu keimen. Unkräuter sind schließlich echte Pionierpflanzen, die selbst mit den widrigsten Bedingungen klarkommen. Trockenheit und Nährstoffarmut machen ihnen in der Regel wenig aus.

Es ist demnach eine falsche Annahme, dass im Schottergarten nicht regelmäßig das Unkraut gejätet werden muss – im Gegenteil. Und es bleibt Handarbeit mit krummen Rücken, denn der Einsatz von Herbiziden, also Unkrautvernichtungsmitteln, ist in Deutschland in Privatgärten verboten. Das Abflämmen der Pflanzen ist ebenso keine Alternative, da es den Kies unschön verfärben würde. Im Herbst muss außerdem herabfallendes Laub von den Steinbereichen gerecht werden, denn würde es sich zersetzen, entstünde Humus, der wiederum beste Bedingungen für Unkräuter schafft.

 

Schottergärten bieten keinen Lebensraum für Insekten und verschlechtern das Mikroklima

Für Insekten und andere Tiere sind Schottergärten ein Graus, denn sie bieten kaum einen Lebensraum. Bienen, Schmetterlinge und Hummeln brauchen beispielsweise nektarspendende Blühpflanzen, um sich wohlzufühlen. Auch Eidechsen finden hier keine geeigneten Unterschlupfmöglichkeiten. In heißen Sommern entstehen über den Kiesgärten sogenannte Wärmeinseln, denn die Steine heizen sich schnell auf. Es fehlt außerdem die Verdunstung, die normalerweise durch die Vegetation gewährleistet wird. So entsteht ein für Mensch und Natur belastendes Mikroklima, das den Klimawandel verstärkt. Durch die Verdichtung des Bodens kann auch Regenwasser nicht mehr versickern. Es fließt bodennah ab und sorgt somit für mehr Schmutzwasser, was wiederum in Kläranlagen aufwändig aufbereitet werden muss. Dieses Regenwasser jedoch fehlt dem Grundwasser.

 

Der Staudengarten ist die artenreiche & pflegeleichtere Alternative zum Schottergarten

Faule Gärtner wissen es schon längst: Wer wenig Arbeit mit seinem Garten haben will, setzt auf mehrjährige Stauden. So verhindern beispielsweise Bodendecker wie Storchenschnabel oder der Teppichphlox das Anwachsen von Unkräutern. Fette Henne, Sedum oder Semper Vivum stellen keine großen Ansprüche an den Untergrund und brauchen so gut wie keine Pflege. Sie können jedoch wundervoll blühen und bieten dann reichlich Nahrung für Insekten. Auch andere mehrjährige Stauden wie Sonnenhut, Rittersporn oder Ehrenpreis sehen in Blüte nicht nur optisch hervorragend aus, sondern ziehen auch Bienen und Co magisch an. Ein weiterer Vorteil der Stauden: Sie durchwurzeln den Boden und sorgen somit für optimale Belüftung. Regenwasser kann hier schnell versickern, ohne dass die Erosion eine Chance hätte, den Boden wegzuspülen. In heißen Sommer hilft die Verdunstung der Pflanzen außerdem, die direkte Umgebung zu kühlen.

Wer es als Gärtner weniger bunt möchte, kann auch auf eine Kombination aus Funkien, Edeldisteln und Ziergräser zurückgreifen. Hier wird über die unterschiedliche Blattfärbung und die verschiedenen Höhen Spannung im Garten erzeugt.

Eine aus Steinen aufgesetzte Kräuterspirale bereichert mit ihren tollen Aromen nicht nur die Küche, sondern bietet auch ein Habitat für viele Tierarten. Eidechsen können sich sonnen und finden hier Versteckmöglichkeiten. Wildbienen werden in den Ritzen nisten und Kröten sich ein schattiges Plätzchen am Fuß der Kräuterspirale suchen. Eine weitere tolle Alternative zum Schottergarten ist eine artenreiche Blumenwiese mit allerlei Wildkräutern. Sie sollte wirklich nur einmal im Jahr im zeitigen Frühjahr gemäht werden, weil viele Insekten in den Pflanzenstängeln überwintern.

 

Es muss wirklich kein ökologisch toter Schottergarten sein! Es gibt so viele bunte und dynamische Alternativen zum Kiesgarten, die noch dazu deutlich weniger Arbeit machen.