Allergie-Impfung mit Stammzellen

Ausschaltung des T-Zellen-Gedächtnisses soll für Durchbruch sorgen

Eine einfache Impfung gegen Allergien soll ausreichen und schon gehören Juckreiz, anschwellende Schleimhäute oder tränende Augen der Vergangenheit an. Dies ist die Vision vieler Allergologen. Gelingt das Vorhaben, können beispielsweise Heuschnupfen-Geplagte, Patienten mit Medikamentenunverträglichkeit oder Lebensmittelallergiker Hoffnung schöpfen.

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Für Pollenallergiker ist es beinahe unmöglich, unbeschwert über eine Wiese zu laufen. Die Gräserpollen können bei ihnen schwerste Heuschnupfen-Symptome auslösen. Forscher möchten  eine Impfung gegen Allergien entwickeln, indem sie die hämatopoetischen Stammzellen so manipulieren, dass bestimmte Immunzellen nicht mehr auf die Allergene, also die Allergie-Auslöser, reagieren. Im besonderen Fokus steht dabei das Gedächtnis der T-Zellen. Das überschießende Immunsystem soll so herunter reguliert werden.

 

Wissenschaftler der Universität Brisbane (Australien) haben nun einen vielversprechenden Ansatz entwickelt. Der Plan ist, im Immunsystem einen bestimmten Schalter umzulegen und so direkt die unerwünschte Immunantwort zu verhindern. Bei einer allergischen Reaktion reagiert die Körperabwehr auf eigentlich harmlose Stoffe sehr aggressiv. Bestimmte Immunzellen schießen damit über das Ziel hinaus.

 

Impfwirkung durch Gentherapie

Für ihren Behandlungsansatz möchten die australischen Forscher die Gentherapie nutzen. Mit deren Hilfe sollen die T-Zellen des Immunsystems so beeinflusst werden, dass diese auf bestimmte Oberflächenstrukturen von Proteinen nicht mehr reagieren. Diese Oberflächenstrukturen bezeichnen Experten als Allergene, denn sie lösen die allergische Reaktion aus.

Bei den T-Zellen handelt es sich um besondere Immunzellen. Sie besitzen eine Art Gedächtnis und lernen im Laufe des Lebens Freund und Feind zu unterscheiden. Doch bei Allergikern kommt es zu einer Fehlprägung. Das Immunsystem wird aktiviert, obwohl der vermeintliche Eindringling normalerweise harmlos ist. Für die Betroffenen werden so Pollen, Hausstaub, manche Medikamente oder bestimmte Eiweiße in Lebensmitteln gefährlich.

 

Gezielte Modulation des Immunsystems

Die Gentherapie als Impfung gegen Allergien gelang bisher ausschließlich im Tierversuch. Doch nun soll der nächste Schritt erfolgen. Im Labor werden menschliche Stammzellen gezielt verändert. Dafür in Frage kommen die hämatopoetischen Stammzellen, denn diese sind pluripotent. Über Zwischenschritte – nämlich den myeloischen Stammzellen und den lymphatischen Stammzellen – entwickeln sie sich zu Thrombozyten (Blutplättchen), Erythrozyten (rote Blutkörperchen) und Leukozyten (weiße Blutkörperchen). Die blutbildenden Stammzellen sind damit nicht nur für die Blutgerinnung und den Sauerstofftransport zuständig, sondern auch für ein gesundes, funktionierendes Immunsystem.

In die menschlichen Stammzellen soll ein Gen eingeschleust werden, dass die Allergene toleriert. Die so veränderten Stammzellen würden in den Körper der Patienten injiziert und können dort anwachsen. Durch den beständigen Nachschub an neu produzierten Blutzellen, würde der Körper nicht länger die starke, allergietypische Überreaktion bei der Immunantwort zeigen – so der langfristige Plan. Bis allerdings bei Allergien eine Impfung mit Stammzellen in der Praxis zur Verfügung steht, wird noch einige Zeit ins Land gehen.

 

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