Abschalten im Urlaub: Warum fällt das so schwer?

Leistungsdruck und Selbstoptimierung lassen immer weniger Raum für Entspannung

Mindestens einmal im Jahr steht bei den meisten Menschen ein ausgedehnter Urlaub an. Die schönen Reiseziele und die Aussicht auf ausreichend freie Zeit, um die eigenen Kraftreserven aufzutanken, sollten eigentlich ein zufriedenes Gefühl auslösen. Die Realität sieht anders aus, wie Studien immer wieder belegen. So fällt es vielen Berufstätigen schwer, die freie Zeit im Urlaub zu nutzen und vollkommen abzuschalten.

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Der Alltag ist stressig und lässt meist nicht viel Zeit für kleine Auszeiten. Umso wichtiger ist es sich, sich diese im Urlaub bewusst zu gönnen und komplett abzuschalten. Im wahrsten Sinne des Wortes: Kopf aus, Smartphone aus, Internet aus. Das geplante Urlaubsprogramm sollte ebenfalls nicht zu ambitioniert sein, denn das Seele-Baumeln-Lassen braucht Zeit. Auf Knopfdruck funktioniert es nicht.

 

Rund 63 Prozent der Frauen und über 50 Prozent der Männer hätten laut einer Studie des Kölner Instituts für angewandte Gesundheitswissenschaften ernsthafte Probleme damit, die freie Zeit im Urlaub entspannt und nur für sich zu nutzen. Selbst unter dem Sonnenschirm und inmitten von tropischen Palmen würde es den Betroffenen schwerfallen, einfach die Seele baumeln zu lassen. Experten sehen die Gründe dafür in dem zunehmenden Leistungsdruck, der innerhalb der Gesellschaft vorherrscht. Aber auch die Digitalisierung sei ein Grund dafür, weshalb sich die Betroffenen in einem stetigen Ungleichgewicht zwischen Erholung und Stress befänden und nicht mehr abschalten können. Während einige Menschen den Stress „ansammeln“ und vollkommen überlastet ihre Reise antreten, sind andere im Urlaub ständig erreichbar. Vor allem das Internet ändere in diesem Zusammenhang die Reisegewohnheiten der Menschen. Die meisten Touristenresorts, Hotels, Cafés und Kneipen bieten mittlerweile kostenloses Wifi an – damit die Urlauber auch in ihrer freien Zeit rund um die Uhr vernetzt bleiben. Die ständige Verfügbarkeit erschwere es wiederum, gänzlich abzuschalten. Für einige sei das Smartphone auch ein Zeichen für Langeweile, ein Automatismus, der auch im Urlaub bestehen bliebe. Experten raten, den Smartphonekonsum bewusst zu begrenzen, sich zeitliche Limits zu setzen sowie ab und an alle elektronischen Geräte ganz bewusst auszuschalten. Das Schaffen solcher „Freiräume“ ist ganz besonders im Urlaub wichtig, sollte aber auch als „Smartphone- bzw. Internetfasten“ bewusst in den normalen Familienalltag integriert werden.

 

 

Erholung kann nicht auf Knopfdruck funktionieren

Vor allem Frauen liefen Gefahr, auch im Urlaub an dauerhaften Stresssymptomen zu leiden und nicht richtig abzuschalten. Dies sei vor allem deshalb der Fall, da viele Frauen die Kindererziehung und Karriere miteinander vereinbaren müssen und – anders als Männer – so eine doppelte Belastung mit sich trügen. Hinzu komme der vermehrte Drang von Frauen, Aufgaben abzuschließen, bevor sie sich der Erholung widmen. Männer könnten hingegen Probleme und Belastungen eher „aufschieben“ und diese für einige Tage bewusst beiseitelegen.

 

Experten raten: Mit kleinen Schritten im Urlaubsmodus ankommen

Viele Menschen machen den Fehler und denken, sie können die Entspannung auf Knopfdruck erreichen. Dies sei aber in den seltensten Fällen der Fall. Es hilft viel mehr, sich bereits vor dem Urlaub eine ein- oder zweitägige Auszeit zu gönnen und so langsam in den Urlaubsmodus hineinzufinden. Es helfe außerdem, den Urlaub nicht rigoros mit einem ambitionierten Ausflugs- und Aktivitätenprogramm zu verplanen, sondern sich ganz bewusst Freiräume und Zeit fürs Nichtstun offen zu halten. Nach dem Urlaub ist es so möglich, mental gestärkt an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Wer versucht, langsamer in den Alltag zurückzufinden, konserviert mehr von der Erholung. Experten empfehlen beispielsweise, erst ab Mittwoch wieder zu arbeiten. Dies sei für die Psyche beruhigender, als an einem Montag zu starten, da die Woche insgesamt kürzer ausfalle und das nächste Wochenende bereits in Sichtweite sei. So könne der Arbeitsalltag stressfreier wieder anlaufen.

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